Teil eines Werkes 
Die Heimkehr oder Was fehlt uns? : eine Erzählung für das Volk / von O. Glaubrecht
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kommen, rief eine vorlaute, ſpöttiſche Stimme aus dem Haufen;die geht lieber zu der Jungfer Schulzin ins Gartenhäuschen! Ein ſchallendes Gelächter be⸗ lohnte den Witz, und weiter jubelte der Zug. Ein lautes Schluchzen war des Mädchens einzige Antwort; dann ſchritt es weiter. Plötzlich lenkte es ab, und trat auf ein Haus zu. Doch als ſeine Hand kaum den Drücker an der Hausthüre berührte, da hörte man aus dem Innern des Hauſes ein wildes Geſchrei verſchiede⸗ ner Stimmen. Eine Frau, ſo ſchien es, machte mit fürchterlicher Stimme ihrem Manne, der betrunken nach Hauſe gekommen war, Vorwürfe, die dieſer eben ſo brüllend erwiederte, worauf der Mann irgend einen Gegenſtand ergriff und die Frau ſchlug, welche aber dennoch nur um ſo lauter ſchrie. Die Kinder, die aus dem Schlaf erwacht zu ſeyn ſchienen, miſchten ihre ver⸗ ſchiedenen Stimmen in das Gebrüll der beiden Ehe⸗ leute; kurz, es war ein Heidengräuel in dem Hauſe. Nur wenige Minuten hörte Gertrud zu und ſprach halb laut:Alſo auch in Vetter Marrens Haus iſt der Unfriede eingekehrt! Alſo auch da keine Hülfe! Nun ſo erbarm' du dich über uns, lieber Gott! Schnell, daß der Fremde ihr kaum folgen konnte, eilte ſie davon, und trat bald in ein kleines, verfallenes Haus ein. Der Fremde folgte auf dem Fuße und wünſchte eintre⸗ tend einenguten Abend. In dem engen Stübchen ſtanden mehrere Betten, und auf einem Tiſche am Fenſter brannte eine düſtere Oellampe. Zwei Spinn⸗ räder ſtanden unberührt in der Ecke neben der Tiſch⸗ bank. Neben der Wiege am Ofen kniete eine blaſſe, ärmlich gekleidete Frau, und ihre Thränen floſſen auf das bleiche Angeſicht eines kranken Kindes, das in der