wir ſind ſo allein und das Stöphelchen iſt gar zu krank!“ „Gertrud, was ſoll ich bei dem Stöphelchen thun, auch wenn es krank iſt, ich bin kein Doctor! Geh nur heim, ſag' ich, Mädchen, und laß die Manns⸗ leute in Ruh!“— Da ſah der Fremde hinter dem Ofen hervor; er ſah, wie das Mädchen erſt ſtarr in das aufgedrungene, gleichgültige Angeſicht ſeines Groß⸗ vaters ſah, wie es denn einen unausſprechlich wehmü⸗ thigen Blick hinüber nach ſeinem Vater warf, der es bemerkt, aber ruhig weiter auf das Geſpräch der Bauern geachtet hatte; er ſah, wie es in ſtummem Schmerz die Hände rang, und wie es endlich laut weinend zur Thüre hinausſtürzte. Da uͤberzog eine hohe Gluth das Angeſicht des Fremden; er ſtand raſch auf und folgte dem Mädchen nach. Einige Schritte von dem Wirths⸗ haus ſah der Fremde es im Dämmerlicht des ſchnee⸗ hellen Abends ſtehn; es ſchien unentſchloſſen zu ſeyn, was es thun ſolle. Bald ſah es nach den Fenſtern der Wirthsſtube, bald blickte es zum dunklen Nacht⸗ himmel hinauf. Dann ging es ſtill weinend weiter. Der Fremde folgte in einiger Entfernung. Da kam aus einem Seitengäßchen ein Trupp Burſche und Mäd⸗ chen, ſingend und ſcherzend; die vertraten der Gertrud den Weg.„Ach, Jungfer Golſern,“ rief ein Burſche, der ſie zuerſt erkannte,„freu' mich, ſie auch einmal auf der Gaſſe zu ſehen; nun muß ſie mit in's Barthel⸗ peters Haus, da gibt's heut' Abend Staubkräppel und Kaffee und ſonſt noch allerlei!“„Laßt mich meiner Wege gehen,“ rief in ſehr entſchiedenem Tone die Ger⸗ trud,„unſer Stophel iſt krank, da vergeht mir der Gedanke an Spiel und Tanz!“„Der iſt der Jungfer Gertrud ſchon lange vergangen, oder auch noch nie ge⸗
Teil eines Werkes
Die Heimkehr oder Was fehlt uns? : eine Erzählung für das Volk / von O. Glaubrecht
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