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ſchreibt der Schmiedgeſell, der bei dem Schmiedkaspar drunten ein Jahr geſchafft hat und drüber, er arbeite in Baltimore und bekomme wöchentlich 8 Thaler und habe ſich ſchon was Schönes gemacht.“„Ja, das fehlt uns, Gut fehlt uns, Geld fehlt uns, Verdienſt fehlt uns, Alles fehlt uns in dem Rattenneſt Langenfeld!“ rief der Wirth.„Wenn's mir nachging, ich ſteckt's an allen vier Ecken an; lieber nichts, als ſolche Lumperei!“
Während ſo hin und her geredet ward über das, was fehle in Langenfeld, wurde leiſe die Thüre geöffnet, und ein Mägdlein von zartem Alter, es ſchien nicht viel über ſiebenzehn Jahre zu zählen, ſteckte beſorgt den Kopf zur Thüre herein, und die Thränen liefen ihr über die friſchen Wangen. Nachdem ſie ſich in der Stube umgeſehen, aber von Niemand bemerkt worden war, ſchlich ſie leiſe zum Ofen hin, und berührte die Schulter des Ortsdieners, der noch immer an derſelben Stelle ſtand, und bald dem Geſpräch am Tiſche zu⸗ hörte, bald den Fremden anſah, der mit gefaltenen Händen da ſaß und vor ſich hinſtarrte.„Großvater,“ ſprach ſie,„unſer Stophelchen iſt krank, ſehr krank; meine Mutter fürchtet, es ſtürbe heute noch; ſagt mei⸗ nem Vater, er ſolle heimkommen, die Mutter vergeht faſt vor Herzeleid.“„Pah, was ihr Weibsleute auch gleich auseinander ſeyd,“ ſprach leiſe der Ortsdiener; „geh nur wieder heim, Gertrud, und ſag' der Mutter, ſie ſoll nicht einfältig ſeyn, mit dem Sterben ging's nicht ſo ſchnell. Dein Vater kann jetzt nicht heimkom⸗ men; die Geſellſchaft wär' gar zu ſchön, das ſag' dei⸗ ner Mutter!“„Ach Großvater,“ ſprach leiſe das Mädchen, indem ihr die hellen Thränen über die Wan⸗ gen liefen,„ſo kommt doch ihr wenigſtens nach Haus;


