262 Adelma ſtand von ferne und trocknete ihre Thränen. Viole erblickte ſie. Komm herzu, Du Treue— es iſt ja Dein Werk! rief er ihr zu.
Da wankte die Alte heran, ihrer kaum mächtig, und legte ſegnend ihre Hand auf ihre Häupter, und feierlich ſagte ſie:
Guy, ich ſagte Dir einſt, Hoffnung täuſchet nicht. Sieh, ich log nicht!
Bald umſchloſſen alle, du Pleſſis, Rabaud und Salers, den Kreis, und die reinſte Freude erfüllte ihre Herzen.
Sie zogen nun nach Arbeque, wo die Vermählung des glücklichen Paares gefeiert wurde.
Nicht lange aber blieben ſie da. Nachdem Viole in Eile ſeine eignen und Gabrielens Angelegenheiten geord⸗ net hatte, verließen die glücklich Geretteten Frankreichs blutgedüngten Boden, und zogen nach Genf.
Bis auf die Grenze Frankreichs geleitete ſie Adelma. Sie alle glaubten feſt, die Alte würde ihre Tage nun in ihrem Kreiſe beſchließen, doch ſo wollte ſie es nicht. Das irre Wanderleben ihres Volkes war ihr zur andern Na⸗ tur geworden. Sie konnte die Ruhe nicht ertragen. Auf der Grenze ſtand ſie ſtille.
Tiefe Rührung bewegte ihre Bruſt. Sie konnte faſt
nicht reden.
Zieht in Gottes Schutze, ſprach ſie mit wankender Stimme— ich muß Euch verlaſſen. Die alte Adelma kann nur in Wäldern leben, und an eines Baumes Stamme ſey einſt ihr Grab. Mein irrer Lauf iſt ſei⸗
nem Ziele nah, ſprach ſie feierlicher. Ich habe am
Abend meiner Tage noch einmal ſelige Stunden in Eurer Mitte verlebt, in ihrem Nachklang wird dieß Herz bre⸗ chen, wird freudig brechen. O, lebt alle wohl! rief ſie,


