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Aber ſie lächelte wieder durch Thränen ſo wehmü⸗ thig, und ſagte dann erröthend— die meine liegt unter dem Raſen.
Vivle ſchwieg. Er beredete ſie, ihn am andern Tage zum Dörfchen zu begleiten, um ſeine Freunde nach Ar⸗ beque zu holen.
Sie erfüllte gerne ſeinen Wunſch.
Sie kamen dort an.
Guy ſaß im Gärtchen, in ſchwermäthige Ruͤckerin⸗ nerungen verſunken, unter dem alten Kaſtanienbaume, deſſen Aeſte einſt ſeine Knabenſpiele beſchirmt.
Sie nahten ſich unbemerkt und leiſe.
Was würdeſt Du ſagen, Gabriele, flüſterte Viole ihr zu, wenn jetzt Guy Salers vor Dich träte und ſpräche: Gabriele, ich bin nicht Guy Salers, ſondern des Man⸗ nes Sohn, der einſt ſchwur, Dein Vater zu ſeyn?—
Sie bebte und ſah ihn verwundert an, und eine Gluth übergoß ihr Antlitz.
Guy! rief Viole, und Guy fuhr, aus ſeinen Träu⸗ men aufgeſchreckt, herum.
Er ſah Gabrielen und ſank, kaum ſeiner mächtig, zurück.
Viole ergriff ſeine Hand und führte ihn zu Gabrielen.
Es iſt mein Sohn, Gabriele, ſagte er, Guy de Vivle! — Da ſtanden ſie vor einander ſtumm erglühend.
Und Vivle legte ihre Hände in einander. Seyd meine Kinder, ſprach er, und ſeine Stimme zitterte. Seyd glücklich.— Eure Liebe hat eine ſchwere Probe beſtan⸗ den— ſie iſt des Glückes werth!
Da ſanken ſie einander in die Arme, überwältigt von ihren Gefühlen, und Viole ſegnete ſie.


