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Adelma! rief er, führt Dich der Himmel wieder zu uns?— Er trat zu ihr und faßte ihre⸗ bebende Hand. Sie war keines Wortes mächtig.
Stumm reichte ſie ihm den Ring dar.—
Er ergriff ihn frendig und ſah ſie forſchend an.—
Es iſt gelungen, ſprach ſie leiſe, Ihr werdet ſie wie⸗ derſehen.
Da durchbebte neue Freude des Greiſes Bruſt, und dankbar blickte er nach oben, dankbar drückte er Adel⸗ ma's welke Knochenhand.
Noch Eins, ſagte die Alte. Nehmt dies Goldſtück zurück, das wie Feuer auf meinem Herzen brannte. Ihr gabt es mir auf der Flucht nach Rochelles.. Ihr gabt es mir, und ich mußte mich ſelbſt verachten ſeitdem, weil Ihr mich verachtetet. Meine Treue wolltet Ihr er⸗ kaufen! O, Viole, Viole, wie habt Ihr mir wehe gethan. Vor Eure Füße wollte ich es ſchleudern— doch ich konnte nicht— nehmt es zurück, daß ich mich wiederfinde!
Viole nahm es und ſchleuderte es weit weg.
Vergieb mir, Du treue Seele, vergieb dem unglück⸗ lichen Vater, der in Verzweiflung von dem letzten Gute floh, was ihm geblieben war.
Adelma's Hand fuhr nach dem Herzen. O, daß ich
jetzt ſtürbe! ſprach ſie leiſe. Doch nein, ſetzte ſie hinzu,
mein Werk iſt noch nicht zu Ende, Ihr müſſet weg von hier. Bereitet Alles ſchnell— noch dieſe Nacht muß Paris hinter uns liegen.
Freudig ergriffen ſie alle dieſen Vorſchlag, und ehe noch eine halbe Stunde vergieng, folgten ſie ſchon der Alten, die, wohlbekannt mit allen Winkeln der Haupt⸗ ſtadt, ſie glücklich hinaus leitete, bis zum Gehölze von
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