Teil eines Werkes 
3. Band (1834)
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254 gen hinaufzuklettern. Nur nach vieler Anſtrengung ge⸗ lang es ihm, den Leichnam abzuſchneiden.

Es war Mitternacht geworden über dieſer Arbeit. Eine Todtenſtille herrſchte auf der einſamen Höhe von Montfaucon, die nur das Gekrächze der Raben und ihr ſchauerlicher Flügelſchlag unterbrach. Eiskalt überlief es den Jüngling an dieſem Orte des Schreckens, wo jeder Tritt, den er that, in den Todtengebeinen der hier gerich⸗ teten Verbrecher raſſelte. Es war allmählig ſternenhell geworden, die Wolken, die den Himmel bedeckt hatten, verloren ſich, und dieſe magiſche Helle vermehrte das Schauerliche des Orts. Jetzt eben wollte Guy den Leich⸗ nam des unglücklichen Admirals auf ſeine Schultern la⸗ den, um mit ihm nach dem Schlupfwinkel zurückzukeh⸗ ren, wo er Sicherheit in der Mordnacht gefunden als eine ſchwarze Geſtalt langſam heranſchlich. Guy wollte ſich eiligſt entfernen, allein es war zu ſpät, er vermochte nicht mehr, den Blicken des Kommenden zu

entgehen. Raſch zog er ſein Schwert und ſtellte ſich ne⸗

ben Coligny's Leichnam, den im Tode zu vertheidigen, den er im Leben nicht hatte retten können.

Wer Du auch ſeyſt, ſprach jetzt eine höchſt wider⸗ liche Stimme, hebe Dich hinweg von dem Orte des Schreckens.

Adelma! rief Guy, und eine freudige Rührung durch⸗ bebte ſeine Bruſt. Auch ſie erkannte ihn.

Biſt Du es wirklich, Guy? fragte ſie. O Gott⸗ lob, ſetzte ſie hinzu, ich glaubte auch Dich verloren und trauerte um Dich; aber ſage mir, was willſt Du hier beginnen?

Ich richte die Frage an Dich, Adelma, was ſuchſt Du hier?