Teil eines Werkes 
3. Band (1834)
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Als die erſten Wallungen des Herzens vorüber wa⸗ ren, ergriff du Pleſſis die Hand des alten Viole und ſagte:

Gieb nun Rechenſchaft von den letzten Stunden!

Da rief Viole: Grauſamer, warum miſcheſt Du das Gift in den Frendenbecher?

Pleſſis ſah ihn ſtaunend an. Er begriff ihn nicht.

Da ſetzten ſich alle, und Viole erzählte die ſchauder⸗ haften Vorgänge der Nacht, die noch ungemindert fort⸗ dauerten, ob es gleich in dem fernen Winkel, wo ſie ſich jetzt befanden, und wo man keine Proteſtanten wußte, ſtille und friedlich ausſah. Er ſchilderte mit gräßlicher Wahrheit die Mordſeenen.

Bebend fragte Guy nach Coligny.

Seinen Rumpf ſchleppte das Volk in den Straßen umher, und hieng ihn endlich bei den Beinen an dem Galgen auf Montfaucon auf.

Da bedeckte der Jüngling mit beiden Händen ſeine Augen und rief in herzzerreißendem Schmerze:

Warum ließet Ihr mich nicht an ſeinem Lager, viel⸗ leicht hätte ich das edle Leben gerettet!

O, gieb mir den Vorwurf nicht, mein Sohn, ſprach Viole Du konnteſt ihn nicht retten. Es war um⸗ ſonſt, es war zu ſpät. Ihr wart alle Verblendete. Ihr hörtet nicht auf meine Warnungen darum mußte ich Euch hierher ſchleppen laſſen, daß ich Euch retten konnte; denn dort waret Ihr ſicher verloren.

Da ſanken ſie ſich auf's Neue an die Bruſt.

Und du Pleſſis ſprach: Wir ſind durch Gottes wun⸗ derbare Fügung gerettet, laßt uns ſein nicht vergeſſen. Ihm ſey die Ehre!