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neuen Aufruf, und es wurde zum Sporne zu neuen Greuelthaten. Der König verſuchte auch nicht weiter, ſie zu hentiikn. Es wurde ihm immer einleuchtender gemacht, welch ein gottgefälliges Werk er verübt, und ſein Eifer wuchs alſo, daß er am 28. und 30. Auguſt erneuerte Befehle an die Statthalter der Provinzen er⸗ ließ, die Proteſtanten ohne Schonung zu würgen, damit auch nicht einer übrig bliebe.
Sieben Tage ununterbrochen dauerte das Morden in Paris. Nur in den letzten Tagen geſchah es mit Mäßigung, aber auch mit deſto raffinirterer Bosheit. Man war ermüdet, überſättigt, und nothwendige Er⸗ ſchlaffung folgte der Ueberſpannung. Dreißig Tage hindurch dauerte aber das Morden noch in den Pro⸗ vinzen.
Drei tauſend Proteſtanten ſtarben in die⸗ ſen Tagen in Paris; dreißig tauſend inner⸗ halb der Grenzen des Reichs.
Aber auch ſchöne Beiſpiele des Edelſinns und chriſt⸗ licher Liebe bewieſen einzelne Katholiken in dieſer ent⸗ ſetzlichen Zeit. Ehre ihnen, den Edlen, die den Muth hatten, Gott mehr zu gehorchen, als dem Gebote eines entmenſchten Königs! Die Statthalter Tendes in der Provence und de Gordes in der Dauphiné, und mehrere andere Statthalter und Städtevorſteher verſagten den Blutbefehlen des Königs muthig den Gehorſam, und ſchützten das Leben und das Eigenthum der Verfolgten, lieber den Zorn des Monarchen auf ſich ladend, als die ſchreckliche Schuld ihrem Gewiſſen.
Schnell verbreitete ſich die Nachricht dieſer Gräuel der Bartholomäusnacht in allen Richtungen, und höchſt verſchieden nahm man ſie auf. Während man ihnen zu


