Teil eines Werkes 
3. Band (1834)
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eiſen Haß jeder Art und jeden Urſprungs gebrauchte die Begünſtigung einer Zeit des geſetzloſen und rechtlo⸗ ſen Zuſtandes zu ſeiner Befriedigung, und lang gedämpf⸗ ter Leidenſchaften Gluth loderte auf. Alte Beleidigun⸗ gen wurden gerächt; Gläubiger von den Schuldnern erſchlagen, und Neid und Eiferſucht waren ſo blutgierig wie der Fanatismus. Doch nur und einzig nur Prote⸗ ſtanten waren die Schlachtopfer, nur ſie mußten ſter⸗ ben, und nicht Alter, nicht Tugend, nicht Würde, nicht Schönheit, nicht Geſchlecht konnte das Daſeyn nur eine Minute friſten.

Der Tag brach endlich an. Die Sonne umhüllte mit dichtem Gewölk ihr Allen lachendes, Alle erquicken⸗ des Antlitz vor den Gräueln, die menſchlicher Wahn verübt. Man möchte die Möglichkeit bezweifeln, daß auch bei dem hellen Tageslichte nicht Schauder und Ent⸗ ſetzen die Tigerherzen ergriffen und doch blieben ſie ſich gleich; ja noch ſchrecklicher wurde ihr Blutdurſt, da der lang genährte jetzt weniger Opfer fand. Aber es hatte jetzt auch neuen Reiz erhalten, das Morden, da man ſeine Opfer erſt ſuchen mußte. Ohne Maaß, ohne Schranken waren die Greuelthaten der Nacht und des Tages. Erſt gegen Abend gebot ein königlicher Herold, daß Jeder ruhig nach Hauſe gehen und das Morden einſtel⸗ len ſollte.

Vielleicht wollte man den ermüdeten Kannibalen Ruhe gönnen, damit ſie nach dem wohlvollbrachten Werke ru⸗ hen und dann des andern Tages neue Thatkraft geſchöpft hätten!? Umſonſt war dies Gebot. An Gehorſam war in dieſem Aufruhr aller Leidenſchaften nicht zu ge⸗ denken. Im Gegentheile betrachtete man es als einen