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ihre Gewänder beſpritzte. Katharina von Medicis, nach⸗ dem die erſte Regung des Gewiſſens niedergekämpft war von den Leidenſchaften des verruchten Herzens, ſah mit Begierde das Morden, und mit einem Wohlgefallen, das mehr als teufliſch war.
Heinrich von Navarra entgieng mit dem jungen Condé kaum der Ermordung. Er mußte Zeuge ſeyn, wie man ſeine Glaubensbrüder ſchlachtete, und konnte ſie nicht retten. Dies Bewußtſeyn brachte ihn faſt auſſer ſich.
Carl der Neunte ließ ihn gegen Morgen zu ſich be⸗ ſcheiden mit Condé, und rief ihm, als er erſchien, zu, daß er jetzt Coligny und alle Häupter der Proteſtanten habe ermorden— ihm und ECondé nur darum habe Gnade angedeihen laſſen, daß ſie beide ihrem Ketzer⸗ thume entſagten— dazu— ſetzte er mit auſſerordentli⸗ chem Zorne und Grimme hinzu, gebe ich Euch drei Tage Bedenkzeit; dann aber—— er brach ſchnell ab und wendete ihnen den Rücken und entließ die Erſchütterten, denen die Wonnetage ihres ehelichen Lebens ſchrecklich vergällt worden waren.
Niemand wüthete anhaltender, unermüdeter und grau⸗ ſamer gegen die armen unglücklichen Proteſtanten, als Tavannes und die Herzoge von Nevers und Montpen⸗ ſier. Mit dem bluttriefenden Schwerte in der Hand ſchrie Tavannes in entſetzlichem, herzzerreißendem Spotte: Laſſet den Ketzern zur Ader! die Aerzte verſichern, es ſey im Auguſt ſo geſund als im Mai. Solch Beiſpiel entflammte immer wieder von Neuem.
Wenigen Proteſtanten gelang es, durch die Flucht ſich zu retten. Die meiſten wurden ergriffen und nie⸗ dergemacht, die ein Gleiches verſuchten; aber nicht blos politiſcher und religiöſer Fanatismus ſchwang das Mord⸗


