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erklärend, ſie könnten mit gutem Gewiſſen zu ſolchen Schandthaten ihre Hand nicht bieten.
Wüthend ſprang Tavannes gegen ihn und ſprach fürchterliche Drohungen aus. Es gelang ihm, ſie einzu⸗ ſchüchtern, und ſie endlich geneigt zu machen. Er ſagte ihnen nun, daß ein Schuß vom Louvre aus und das Läuten der Glocke vom Kloſter Saint⸗Germain l'Auxer⸗ rois das Zeichen zum Anfang des Mordens geben ſolle. Hierauf müßten ſogleich Lichter und Fackeln vor die Fen⸗ ſter geſtellt, die Straßen mit Ketten geſperrt und auf allen öffentlichen Plätzen Pikete ausgeſtellt werden. Zum Kennzeichen ſollten die Katholiken weiße Kreuze an ihren Hüten und weiße Tücher um ihren linken Arm tragen. Der Herzog von Guiſe und der Graf Angvuleme, des Königs natürlicher Bruder, übernahmen, nachdem Erſte⸗ rer aus ſeinem Schlupfwinkel hervorgekommen war, des Admirals Ermordung mit wilder Luſt.—
Alles ordnete ſich im Stillen. Alle Vorbereitungen wurden auf's Zweckmäßigſte getroffen. Unbegreiflich und unerklärbar war die Unachtſamkeit der Proteſtanten. Cv⸗ ligny, durch Acevedo noch einmal gewarnt, ſchnell ſein Haus zu verlaſſen, beunruhigt durch Guy's Ausbleiben, ſandte noch einmal Teligni zum König, und dieſelbe be⸗ ruhigende Antwort, welche Guy erhalten, empfing und brachte er dem Admiral. Nur aus einer Urſache läßt ſich der Proteſtanten Ruhe bei ſo häufigen Warnungen, bei ſo zweideutigen Ereigniſſen, wie ſie dieſe Nacht bot, erklären.— Ihr edler Sinn und ihre rechtlichen Herzen faßten ſolche Verruchtheit nicht; ſie war ihnen undenk⸗ bar. Sie trauten zu ſicher auf das königliche Wort, zu feſt auf Treue, wie ſie zu üben gewohnt waren.
Lips Erzähl. 3. B. 11


