Teil eines Werkes 
3. Band (1834)
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feſſelt, der Mund ihm verſtopft und ſo feſt gebunden, daß er ſich nicht regen konnte, trugen ihn in lautloſer Stille die beiden Männer eine Strecke, dann warfen ſie ihn auf einen leichten Wagen, der bereit ſtand, und nun gieng's raſch von dannen. Lange Zeit fuhren ſie ihn, dann wurde er abgeladen, in ein niedriges Haus ge⸗ bracht, wo man ihn ſchonungslos in eine finſtre Kam⸗ mer warf, die Thüre abſchloß und ihn gefeſſelt lie⸗ gen ließ.

Vergebens bemühte ſich Guy, ſich zu regen. Er war ſo veſt geknebelt, daß er regungslos liegen mußte. Auch ſchreien konnte er nicht, denn der Mund war ihm verbunden. Er hörte an dem dunkeln Orte, wo er lag, durchaus nichts; nur dann und wann ſchien es ihm, als vernähme er ein leiſes Flüſtern im vordern Gemache. Er mochte vielleicht eine Stunde in dieſer Lage zuge⸗ bracht haben, die höchſt ſchmerzhaft für ihn war, da ließ ſich wieder Geräuſch hören. Man vernahm ſchwere Tritte, und ein zweiter Gefeſſelter wurde in einem glei⸗ chen Zuſtande hereingebracht.

Vor Guy's Seele traten nun Acevedo's Warnun⸗ gen. Ihm war es gewiß, daß ſein Tod ihm nahe ſey, und ruhig ergab er ſich in das Unabwendbare, die Stunde erwartend, wo der Mörder Rotte ſeiner Bahn ein Ziel ſetzen würde.

In des Königs Kabinet waren Katharina, Anion, Tavannes, Retz, der Herzog von Nevers und Biragne, der an Morvilliers Stelle getreten war. Hier geſtand man es dem König, daß nicht Guiſe, ſondern Katharine und Anjou die Mörder Coligny's ſeyen; daß die Urſache dieſer That nur die Rückſicht auf das Wohl des Staats ſep, indem die Proteſtanten die allerſchändlichſten Abſich⸗