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Was ſoll ich länger das elende Daſeyn friſten, da das köſtlichſte ſeiner Güter, die Ehre, unwiderbringlich verlu⸗ ren iſt, und Schmach auf meinem Namen laſtet?
Da ſtanden die treuen Diener um ihn, Raband und Salers, und ſahen mit Schmerz in das bleiche Antltz des Herrn. Bald wurde es ihnen klar, warum ſo hef⸗ tig ſein Schmerz ſich äuſſere. Und als ſie Alles wuß⸗ ten, da flehten ſie mit Thränen, daß er fliehe. Sie umſchlangen ſeine Knie und beſchworen ihn, ſich zu ret⸗ ten. Er widerſetzte ſich mit kalter Hartnäckigkeit.
Euer Sohn iſt uns ein theures Pfand, ſprachen ſie, und wenn die beſſern Tage nach Gottes Gnade bald wiederkehren, dann legen wir das anvertraute Pfand un⸗ verletzt in Eure Hand.
Er widerſtand lange— aber endlich übertäubten ſie ihn— er war nur willenloſes Werkzeug in ihrer Hand geworden. Rabaud eilte, Pferde zu beſorgen; und als ſie bereit waren, ſchwang er ſich mit Vivle und dem treuen Diener auf, der bereits mit ihm hierher geflo⸗ hen war.
Unbeſchreiblich ſchmerzlich war das Scheiden von ſei⸗ nem Kinde. Sanft ſchlief der Knabe, als er an ſeinem Bette niederkniete und für ihn betete, ihn ſegnete, den Scheidekuß auf ſeine Stirne drückte und dann faſt ſinn⸗ los hinaus taumelte.
Die Nacht ſank herab auf die Berge Auvergne's, und dahin jagten auf fliegenden Roſſen die Flüchtigen. Oed und ſtille war es auf Saint⸗Flour geworden. Den erquickenden Schlaf der Wiedergeneſung ſchlief noch im⸗ mer der verwaiſete Knabe, und eine ſanfte Röthe der Geſundheit kehrte auf die bisher ſo bleichen Wangen zu⸗ rück. Es war eine der größten Wohlthaten für Salers,


