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mit ihrem Tode fielen alle Blüthen Viole's ab. Schwer lag die eherne Hand des Geſchicks auf ſeinem edeln Herzen. Er wollte fliehen in die Einſamkeit mit ſeinem mutterloſen Säugling, um ganz ihm und der düſtern Erinnerung an das verlorne Glück zu leben; aber das Streben, ſeinen Glaubensgenoſſen Ruhe und Freiheit des Gewiſſens zu erkämpfen, hielt ihn zurück. Noch eine Reihe von Jahren hielt er aus unter ſteten Kämpfen, bittern Kränkungen und betrübenden Erfahrungen. Da trat jenes Ereigniß ein, das Anfangs dieſer Erzählung mitgetheilt wurde und, als Flüchtling geächtet, betrat er ſein Saint⸗Flour wieder, einſt der Wohnſitz der Freude und des Glücks, jetzt der ſtille Ort der Trauer, der Beſorgniß. Zu ſeinem Vetter Robert de Viole auf Arbeque mochte er ſich nicht begeben. Zwieſpalt war unter ihnen. Robert hatte nur ein Kind, eine Tochter. Er ſah ſei⸗ nen Stamm ausſterben, und das ſtimmte ihn mißmuthig, feindſelig. So vft ſie ſich früher geſehen hatten, waren ſie uneinig geworden, und dieſe häufigen Zwiſte waren zuletzt zu offenem, bittern Haſſe und unverſöhnlicher Feindſchaft geworden. Darum war der unglückliche Flücht⸗ ling jetzt ganz auf ſich ſelbſt beſchränkt, war um ſo un⸗ glücklicher, als auch noch der Schmerz ihn traf, ſeinen Guy, das einzige Weſen, was ſeinem Herzen geblieben war, in Folge der Reiſebeſchwerden erkranken, ſchwer erkranken zu ſehen. Tief erſchütterte das ſein, ſchon ohnedem durch die harten Schickſalſchläge verwundetes Herz. Alle Beſorgniſſe wegen ſeiner Sicherheit ver⸗ ſchwanden vor der um des Knaben Leben. Tag und Nacht ſaß er an ſeinem Bette und lauſchte den fieberi⸗ ſchen Athemzügen des Geliebten. Alle Bitten des treuen


