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wandert eine gute Weile, ſah ſich Viole zu ſeiner größ⸗ ten Verwunderung an einem ſüdlichen Thore von Paris, wo er ſich zum erſten Male wieder erkannte, aber auch zweifelte, daß ſie unangefochten durchkommen würden, da eine Söldnerwache das Thor beſetzt hielt. Indeſſen auch hier wurde durch des Freundes Hülfe die Gefahr entfernt. Er raunte der Wache etwas in's Ohr— dieſe grüßte ehrfurchtvoll und— ſie waren auſſerhalb Paris.— Noch eine Weile wanderten ſie ſtille, theils auf Wegen, theils über das Feld hin, bis ſie am Saume eines Gehölzes ankamen, wo auf ein kaum merkbares Zeichen des Freundes alsbald ein Mann aus dem Walde heraustrat, der zwei herrliche Roſſe am Zügel führte.
Bis hierher hatte keiner der Flüchtlinge ein Wort geredet. Stumm, wie das Grab, waren ſie dahin ge⸗ ſchritten; mit einer Schnelligkeit, die aber auch keine Unterredung würde zugelaſſen haben. Ermüdet ließen ſie ſich auf des Freundes Geheiß auf den Raſen nieder.
Ihr ſeyd nun für's Erſte gerettet, ſprach heiter der Freund, und Gvott wird für das Weitere ſorgen. Jetzt erquicket Euch noch einmal zur weitern Reiſe. Und mit dieſen Worten reichte er Wein und Speiſen hervor, die er aus Beſorgniß ſeinem Diener ſchon gegeben hatte. Nachdem die Diener ſich zurückgezogen hatten, ergriff Viole des Freundes Hand und drückte ſie an ſein Herz, die tiefempfundenſten Dankſagungen ausſprechend, da er wohl jetzt einſah, daß der treue Freund ihn nicht nur gerettet, ſondern auch ſich ſelbſt der größten Gefahr ausgeſetzt hatte.
Dieſer aber lehnte den Dank von ſich ab und fragte: Wohin gedenket Ihr nun Eure Flucht zu richten? Das Gerathenſte dünket mir, Ihr wählet la Rochelle!—


