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Schweig, um Gotteswillen! rief Viole— mahne mich nicht an das, was ich verlor— jetzt nicht!
Und dringender wurden des Freundes Bitten. Er konnte endlich nicht mehr widerſtehen.
Wohlan, rief Vivle, ich will Eure Stimme als die warnende Stimme Gottes anſehen. Ich will fliehen— aber nur mit dem Knaben, anders nicht, und wie wird das möglich ſeyn?
Ich kannte Euer Vaterherz, Vivle, ſprach der Freund, ſeine Hand ergreifend. Es iſt dafür geſorgt, daß Ihr Euer Kind mitnehmen könnt. Nur beſchwöre ich Euch, eilet, ehe es zu ſpät ſeyn dürfte. Die Nacht iſt mild, ſie wird dem Knaben nicht ſchaden, und die Reiſe, wie ich hoffe, eben ſo wenig.
Viole ordnete nun ſchnell das Röthigſte, packte Geld und Papiere ein und war bald zu Ende. Ueberlaßt mir das Weitere, ſagte der Freund zu ihm, und ſo ließ ers. Nur ſein treuer Diener, der mit ihm jung geweſen und alt geworden war, begleitete ihn. Dieſer ſchlug Guy in ſeinen warmen Mantel, und unter dem Schutze der Nacht verließen ſie das Haus ſtill und unbemerkt. Der Knabe ſchlief ſanft auf des Dieners Arm⸗ Aber faſt hörbar klopften die Herzen. Sie bogen unfern des eben ver⸗ laſſenen Hauſes in eine kleine, finſtere, dumpfe Gaſſe, und Viole hatte bald die Richtung verloren, in welcher ſie wanderten. Der Freund aber ſchritt raſch zu. Ihm ſchienen dieſe Wege, die durch Paſſagen und Winkelgäß⸗ chen führten und durch Gegenden der Stadt, die Viole nie gekannt, wohl bekannt zu ſeyn. Er ſah ſich nicht einmal um. Nachdem ſie auf dieſe Weiſe in den ſelt⸗ ſamſten Krümmungen und Windungen— nur ſehr ſel⸗ ten über öffentliche Plätze oder volkbelebte Straßen, ge⸗


