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das einzige noch übrige Mittel wählt, dem Verderben zu entgehen. Euer Urtheil, fuhr er fort, iſt geſprochen— Tod.— 6
Ich ſtehe in Gottes Hand! ſprach Viole, ſich mit männlicher Würde erhebend.
Irre ich nicht, fuhr der Treue fort, ſo heißt das ſo viel, als Ihr wollt das Kommende erwarten?—
So iſt es; war Viole's Antwort.
An Eurem Muthe zweifelt Niemand, nahm jener mit warmem Eifer das Wort, der es vernahm, wie Ihr heute geſprochen; aber als eine Unklugheit der unver⸗ antwortlichſten Art wird es von Jedem erkannt werden, wolltet Ihr Euch ruhig hinſchlachten laſſen, und dem Glauben, dem Vaterlande einen ſo kühnen Streiter— und, ſetzte er mit bebender Stimme hinzu— dieſem unmündigen Kinde den treuen Vater rauben. Ihr müßt fliehen, Vivle, fliehen wie Ferrier, du Faur und du Bourg. Sie ſind's, die Euch mit allen Edlen darum beſchwören laſſen.
Sie flohen? fragte erſtaunt Viole. Er dachte einen Angenblick nach. Dann ſah er auf den blühenden Kna⸗ ben, der unter ſeinen Spielen eingeſchlummert war und nun ſo ſanft ſchlief, und ſein Auge wurde feucht. Des Freundes Rede, ſeine Erinnerung an die Vaterpflicht, hatte ihres Zweckes nicht verfehlt. Ja, ja, ſagte er langſam, ſo weit iſt es alſo gekommen, daß Frankreich ſeine Söhne von ſich ſtößt!—
Frankreich nicht! ſprach verweiſend Jener, hadert nicht.— Jetzt iſt am wenigſten der Augenblick dazu. Noch einmal erinnere ich Euch an Eure Vaterpflicht, Vivle. Seht den engelſchönen Knaben, mutterlos iſt er — von Euch allein.—


