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Antlitz war das Licht der reinſten Seelenruhe und See⸗ lenheiterkeit verbreitet. Er zog den ſchönen kräftigen Knaben an ſein Herz und drückte den Segenskuß auf ſeine Stirne. Der Knabe wußte es, daß er den Vater, wenn er aus dem Parlamente kam, nicht ſtören durfte, da er gewöhnlich Arbeiten mitbrachte, und ſo wandte er denn auch jetzt ſich zu ſeinen Spielen, indeß Viole ſich in einen Polſterſtuhl niederließ und den Begebenheiten dieſes wichtigen Tages nachdachte, nicht ahnend, daß im Pallaſt des Königs ſein und ſeiner Freunde Todesur⸗ theil jetzt eben geſprochen wurde; wie denn der Edle nicht glaubt an der Bosheit Rachepläne, ja ſie nicht den⸗ ken kann, weil er ſelbſt ihrer unfähig iſt.
So nahe auch die Gefahr über den Häuptern der Edlen ſchwebte, ſo ſtanden ſie doch nicht allein. Selbſt in des Louvre's Prunkgemächern ſtanden gleichdenkende Freunde, die freilich noch nicht den Muth hatten, öffent⸗ lich zu bekennen ihre heiligſte Ueberzeugung. Kaum wa⸗ ren die Schleier einer mondloſen, von regneriſchen Wol⸗ ken noch verdunkelten Juniusnacht herabgeſunken über die Rieſenſtadt, und kaum wehte linde Kühle nach einem ſchwülheißen Tage, Erquickung dem Müden, da trat, in einen weiten Mantel, faſt unerkennbar eingehüllt, ein biederer, erprobter Freund Viole's in das Gemach. Nicht die heitere Freude, die Viole nach den Vorgängen dieſes Tages in ſeinem Antlitze zu leſen dachte, zeigte es, viel⸗ mehr einen ſchmerzlichen Ausdruck.
Der Freund ergriff Viole's Hand. Gott lohn' es Euch, ſagte er mit tiefer Rührung, was Ihr heute ge⸗ than; aber Euer Wort war ein brennender Pechkranz, der zündend in einen Pulverthurm fuhr, deſſen Trüm⸗ mer Euch zerſchmettern, Euch zuerſt, wenn Ihr nicht


