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druck, der an die Propheten Iſraels erinnerte. Wahr iſt's, ſprach er, daß der unheilvolle Religionszwiſt das Vaterland in eine grenzenloſe Verwirrung ſtürzt, daß er alle Bande geſetzlicher Ordnung lößt, daß er die unver⸗ äuſſerlichen Rechte des Menſchen mit Füßen tritt, daß er die Hand bewaffnet, die mit dem friedlichen Pfluge den Acker zu furchen beſtimmt iſt; aber wer ſchuͤrt die Gluth, die zur verzehrenden, Frankreichs köſtliche Güter verzehrenden Flamme wird? Ich bekenne es frei vor Gott und der Welt, daß ich jener Kirche angehöre mit Herz und Seele, die Glaubens⸗ und Gewiſſensfreiheit als ihr Palladium und Gottes reines unverfälſchtes Wort als ihre einzige, aber auch von den Pforten der Hölle nicht zu ſtürzende Stütze hat. Wer, frage ich, hetzt uns wie die wilden Thiere des Waldes? Wer mordet unſer ſtilles Glück?— Wer ſchleppt uns zu Scheiterhaufen? Wer trägt die entſetzliche Schuld? Mit den Worten Elias, des Gottesmannes, ſpreche ich, wie er zum gottloſen Ahab: Biſt du es nicht, der Iſrael verwirret? — Und ſein ſtechender Blick traf den König, daß er erbleichend das Auge niederſchlug, wie der Sünder vor dem Richterſpruche des Reinen, wie David einſt vor Nathan. Der König gewann ſeine Faſſung nicht wieder. Er hob die Verſammlung auf und verließ den Saal in fieberhafter Bewegung.
Mit dem herzerhebenden Selbſtbewußtſeyn des Edlen nach vollbrachter Glaubens⸗ und Gewiſſenspflicht, trat Vivle in das Gemach, wo Guy, ſein vierjähriger Sohn, ihm die Aermchen freudig entgegenbreitete, frendiger wie ſonſt, wenn der Vater mit den Wolken des Kummers und Mißmuths auf der Stirne in das Gemach trat; denn heute leuchtete ſein Auge, und über ſein ganzes


