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den am Hof nicht mit den wohlwollendſten Empfindun⸗ gen nannte. Dort, wo talentvolle Redner der Glau⸗ bens⸗ und Gewiſſensfreiheit das Herzen und Geiſter be⸗ herrſchende Wort ſprachen, von wo aus ſo Manches ſo unerwünſcht ſchnellen Eingang beim Volke fand, mußte das Uebel zuerſt gebannt, vertilgt werden. Das lag klar am Tage. Vom Plan zur That war nur noch ein Schritt, und er wurde gethan. Die Merkuriale bot die ſchönſte Gelegenheit dazu dar. Unvermuthet, ſo war der Plan, ſollte der König in das Parlament tre⸗ ten und in eigener Perſon jene Handlung vornehmen, die bisher die General⸗Prokuratoren geübt hatten. Es geſchah.
Gerade damals verhandelte das Parlament über die Ausführung des königlichen Ediktes von Escvuan und mehrerer anderer Gegenſtände, Aehnliches bezweckend. Die Fanatiker hatten ſchnell entſchieden— aber da er⸗ hoben ſich Sprecher für Wahrheit und die ewig heiligen Menſchenrechte, deren Wort mit Schwertesſchärfe traf, deren Gründe unumſtößlich erſchienen, und es entſpann ſich ein Kampf, der um ſo wilder wurde, je leichter die Leidenſchaften von der einen Seite, die der andern weck⸗ ten, ein Meinungskampf ſeltener, merkwürdiger Art. Und mitten in dieſem Kampfe öffneten ſich die Flügel⸗ thüren des ungeheuern Saales, und mit allem Pompe königlicher Majeſtät trat der König herein, von einem
*) Karl V. hatte ſolche Merkurialen angeordnet. An der letzten Mittwoche(Dies Mercurii, daher der Na⸗ men) des Monats begab ſich der konigl. General⸗Pro⸗ kurator in's Parlament, zu unterſuchen, ob alle Glieder ihre Pflicht erfüllt. Er übte dabei gegen die Fehlenden eine große Gewalt— bis zur völligen Abſetzung.


