hängeſchild im Geſichte. Sie leſen wohl die Schrift, um ſich zu vrientiren in dem Lande, wohin Sie gehen? Da erkenne ich gleich wieder meinen gründlichen Landsmann!“
„Mit Gunſt,“ ſagte ich darauf,„muß ich bekennen, daß das
Erſtere allerdings im Vordergrunde ſteht; indeſſen ſteht ein Anderes
dahinter, das nicht unerheblich iſt. Seit dreißig Jahren habe ich keine Sylbe Franzöſiſch geredet. So iſt mir denn ſchier Alles, was ich aus dem Wortſchatze dieſer Sprache mir angeeignet hatte, abhanden gekommen. Da wollte ich denn zwei Fliegen mit einer Klatſche ſchlagen, nämlich mein ausgetrocknetes Franzöſiſch wieder beleben und mir einige Localkenntniſſe in und für Belgien zulegen.“
„Sehr praktiſch!“ bemerkte er lächelnd;„aber ich denke, mit einer geringen Kenntniß des Plattdeutſchen wird man in Oſtende weiter kommen; da man das Vlämiſche dort redet, und die eben⸗ genannte deutſche Mundart das Verſtändniß der Landesſprache vermitteln ſoll.“
„Sie mögen Recht haben,“ ſagte ich, und legte meinen Voyageur neben mich hin.„Ich kann ſagen, daß mir das Plattdeutſche nicht ganz ſo fremd geworden iſt, als das Franzöſiſche.“
„Dann ſeien Sie gutes Muthes!“ entgegnete er.„Auch ich verlaſſe mich auf mein Hamburger Platt mehr, als auf das miſe⸗ rable Franzöſiſch, welches ich rede, und das noch übler klingt, als das, welches die langbeinigen Inſulaner jenſeit des Canals vernehmen laſſen.“
So ergab ſich denn zwiſchen meinem Gegenüber und mir gar bald ein lebhaftes Geſpräch, deſſen Gang hier mitzutheilen, uner⸗ guicklich wäre; was mir das Wichtigſte dabei war, das bezog ſich auf meinen Nachbar ſelbſt, ſeine Perſon und ſeine Schickſale.
Er war ein vffener, ſchlichter Mann, der kein Hehl über ſeinen Lebensweg hatte. So erfuhr ich denn bald, daß er Verhägen heiße und daß ſein Vater aus Oſtende geſtammt habe.
Sein Vater war nämlich der Sohn eines Matroſen geweſen, der auf einer Fiſcherfahrt nach Norwegen umgekommen.— Als Knabe von zwölf Jahren war ſein Vater, deſſen Mutter auch bereits


