duftenden Tabak rauchte. Es war ein Mann von etwa vierzig S Jahren, kräftigem, muskulöſem Körperbau und erheblicher Länge. Sein Geſicht trug jenes eigenthümliche Gepräge, welches man wetter⸗ hart nennen konnte. Der Ausdruck deſſelben war ernſt, doch nicht unfreundlich. Sein Anzug war gut, ſein Gehaben unbeengt und frei, wie das eines Mannes, der ſich ſeiner unabhängigen Stellung bewußt iſt. Er machte den Eindruck auf mich, wie ein Mann, der die Welt geſehen, vielfach dem Wechſel der Witterung aus⸗ geſetzt war, aber auch in den Strudeln des Lebens immer wieder das rechte Fahrwaſſer zu finden weiß.
Es hat mir immer viel Freude gewährt, im Stillen die Reiſen⸗ den zu taxiren, und auf das Einzelne zu achten, damit ich ihre Signatur recht faſſen und verſtehen lerne. So war ich denn auch ziemlich bald mit mir darüber einig, daß er wohl ein Seemann ſein und die Sonnenſtrahlen der andern Hemisphäre das Ihrige zu dem Braun der Geſichtsfarbe mußten beigetragen haben.
Es hat nie zu meinen Privatliebhabereien gehört, mich auf der Reiſe ſchnell mit Jemandem einzulaſſen. Ich ließ ihn daher ruhig vor der einen Seite des Tiſches ſitzen, während ich die andere einnahm und den bei Max Kornicker in Antwerpen erſchienenen: Vohageur en Belgique herauszog, um darin zu leſen: was ſelbſt neben dem trefflichen Reiſehandbuch von C. Baedecker in Coblenz, welches den Titel„Belgien“ führt, Intereſſe gewährt.
Ich will es gerne geſtehen, daß ich den Voyageur en Belgique darum vorzog, weil er franzöſiſch geſchrieben iſt, und ich durch die Beſchäftigung mit dem Buche mein gänzlich eingetrocknetes Franzöſiſch wieder auffriſchen und beleben wollte. Das Buch machte eine Scheide⸗ wand zwiſchen ihm und mir. Endlich war ſeine Türkenpfeife leer. Er ſtopfte friſch; als er aber, ſeine Pfeife anzuzünden, gegen die Ecke des Rauchzimmers ſchritt, ſtellte ſich ſchnell die unerfreuliche Thatſache heraus, daß in der Spirituslampe der Spiritus fehlte. Das iſt in Menſchenköpfen und Rauchzimmerlampen eine bedenkliche Sache und das Manco jedenfalls fatal.
Schweigend ſchüttelte mein Zimmergenoſſe den Kopf. Im


