I.
Es war im Anfange des Monats Auguſt 1853, als mich der Rath der Arzte nach Oſtende gehen hieß, um Hilfe für ein empfindliches Leiden zu ſuchen, das je länger, je beängſtigender geworden. Obgleich es mir ſchwer wurde, mich aus meinen Verhältniſſen loszuwinden, ſo mußte es doch endlich ſein; aber ich könnte nicht ſagen, daß ich in roſenfarbener Laune die Reiſe angetreten hätte. Dazu ſtimmte vollkommen das Wetter des erſten Reiſetages. Der Himmel war grau, und ein nicht eben feiner Regen träufelte auf die durſtige Erde und auf das Zeltdach des raſchen Dampfers, der mich nach Cöln, zu der„hilligen“ Stadt, trug. Allmählich beliebte es mehrgedachtem Zeltdache, dem Regen freien Durchgang auf Hüte und Röcke zu geſtatten. Die Damen flohen in die Kajüte, und die nicht rauchenden Männer folgten nach.
Ich muß es bekennen, daß ich zu dieſer Sorte ucht gehöte,
und alſo in die Kajüte mich zu begeben, anſehnliches Bedenken
trug. Zu der Vorkajüte fühlte ich keinen Zug des Herzens. So
blieb nur das Rauchzimmer übrig. Nun weiß aber jeder rauchende Reiſende, daß ſelbiges Rauchzimmer klein iſt; in der Regel eine anſehnliche Menze Stühle beherbergt, die den kleinen Raum vollends verengern; auch in der Regel bei ſolcher Witterung ſtark beſetzt zu ſein pflegt.
Langſam ſchritt ich der Thüre zu, machte ſie auf und— rſn nur Einen in dem Zimmer zu finden, der gemächlich in der Ecke lehnte, und mit ſichtbarem Behagen aus einer Türkenpfeife wohl⸗
N. F. Iv. 1


