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— 395— Alles trug ſich zu, als ich bei Mariechen ſaß und ihr meine Erlebniſſe in Mannheim mittheilte.
„Sie hörte mir ſtille zu. Es lag eine tiefe Wehmuth in ihren Zügen, die mir recht in das Herz ſchnitt. Als ich ihr die Begebenheit von dem herzloſen Ehegerichtsrathe mittheilte, entfiel ihrem ſchönen Auge eine Thräne.
„Wohl dem, ſagte ſie, der ſein Vertrauen nicht auf Menſchen ſetzt!
„Recht innig bewegte es ſie, als ich ihr ſagte, wie ich im tiefen Schmerz im Schloßgarten geſeſſen.
„Werde nicht muthlos, ſagte ſie, Gott wird dir ja ſchon eine Hilfe bereitet haben, wo du am Gebeugteſten warſt!
„Das hat er auch, ſagte ich, und erzählte ihr das Folgende,
bei dem Wirth und bei dem Kaufmann Reiter Erlebte.
„Sie wurde immer geſpannter, und als ich endlich ſagte, daß ich zum Organiſten erwählt ſei, mir aber Bedenkzeit ausgehalten; daß ſie die Beſoldung verbeſſern wollten und daß ich eine ſorgenfreie Stellung haben würde, da faltete ſie ihre Hände und ſagte: Siehſt du, lieber Chriſtian, der Herr hat Weg allerwegen und an Mittel fehlt's ihm nicht!
„Aber was hältſt du von der Sache, liebes Mariechen? fragte ich. Sie erſchrak.
„Es iſt deine Sache, Chriſtian, ſprach ſie ruhig und feſt. Mein Wunſch, meine Anſicht, darf nicht im Mindeſten entſcheiden. Du mußt vor Gott prüfen und dann wählen. Du gibſt einen ſchönen Beruf für immer auf, bedenke das; bedenke aber auch, daß dir eine ſchöne, wenn auch untergeordnetere Stellung geboten wird, die aber dennoch eine ſehr ehrenwerthe iſt und zu dem Dienſte des Herrn weſentlich beiträgt, wenn auch in anderer Weiſe. Ich will recht innig zu Gott beten, ſagte ſie, daß er dir Licht gebe, das Rechte zu wählen.
„Damit entließ ſie mich, denn die Stunde war da, wo ſie zu ihrer Gebieterin mußte.
„Ich ging heim und am Abend kniete ich nieder und betete heiß und innig zu Gott, daß er mir den rechten Weg zeige, und


