Teil eines Werkes 
11. Band, Neue Folge : 3. Band (1855)
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heute nicht; vielmehr bückte er ſich noch tiefer auf ſeine Arbeit. Das ſiel dem Mädchen auf. Sie ſah ſcharf auf ihn und gewahrte eine fallende Thräne, die er ſchnell wegwiſchte.

„Du weinſt?“ fragte ſie, und ſie mochte es fühlen, wie es ihm um das Herz war, denn der Ton, in dem ſie die Frage ausſprach, war wehmüthig, ſanft und theilnehmend.

Indeß richtete er das feuchte Auge zu ihr auf.

„Warum ſollt' ich's verhehlen, daß mir das Scheiden der treuen Kameraden, die mich ſo lieb haben, wie ich ſie, an das Herz geht?— Ich hab' ſie begleitet, und mir iſt's geweſen, als hätt ich ſie zu Grabe begleitet, ſo weh thut mir's. In acht Tagen muß ich auch fort!“ ſetzte er hinzu.

„Du auch?“ fragte ſie noch in demſelben Ton, und nach einem einige Augenblicke währenden Schweigen, ſetzte ſie hinzu: „Und du mußt? Wer zwingt dich, Gabriel?“

„Ich hab' mein Wort verpfändet, und das Loos iſt ſo gefallen!“ ſagte er.

„Ei, dann wird's ja ganz ſtill in der Wendelsgaſſe, wenn Ihr Alle fort ſeid!“ ſagte ſie ſo kalt, ſo eintönig, ja faſt gleich⸗ giltig, daß es Gabriel durchs Herz fuhr wie ein zweiſchneidig Schwert. Wie Waſſer, das ins Feuer gegoſſen wird, wirkte dieſe Rede auf ihn. Es wallte ein Zorn in ſeiner Seele auf, der Luft haben wollte; aber er bezwang ſich. Sie war die Meiſterstochter, wenn auch tauſegdmal das Nachbarskind und die Jugendgeſpielin.

„Na,“ lachte er in einem Tone, der deutlich genug ſeine Empfindung verrieth,„es wird auch nach Gerhard und mir zu „Vierhauſen“ geklopft und gehämmert werden, denk' ich! Du ſollteſt froh ſein, daß es nicht mehr ſo arg iſt.“

Röschen ſah ihn betroffen an, denn in einem ſo gereizten Tone hatte ſie ihn nie reden gehört.

Zum Glücke kam ihr Vater die Treppe ſchnell herauf und ſie ging eben ſo ſchnell in ihre Wohnſtube.

Das Wort des Mädchens hatte Gabriel's Seele wieder 56 volle Gleichgewicht gebracht. Ruhig und feſt ſagte er dem vyn

„