und ein Vögelein, das auf jeder Leimruthe leicht hängen bleibe, und das ſei ſchlimm!
Röschen aber wollte es bedünken, als die Mutter lächelnd dem Vater zunickte, die Eltern urtheilten da doch zu hart.
Acht Tage ſpäter ſtand der alte Lichtenauer neben ſeiner Frau mit der dampfenden Pfeife. Sie packte des Sohnes Reiſebündel, und manche Thräne wurde mit hineingepackt. Der Alte zuckte mit dem Geſichte, preßte die Augen feſt zu und biß auf die Pfeifen⸗ ſpitze, bis das Gefühl bemeiſtert war, das er nicht wollte merken laſſen, und ſagte dann:„Thrine, mach' mir dem Bub das Herz nicht ſchwer und weich! Ein Schmied muß hart ſein, wie ſein Ambos! Ich werd' ihn mehr vermiſſen als du; denn der Lehrling, den ich nun angenommen hab', iſt ein Neſthutſch', der noch kein Armſchmalz hat.“ Als er das heraus hatte, machte er ſich hinaus und ſtellte ſich in die Hinterthür und die Thränen poppelten aus den Augen, wie die der Dachtraufe, wenn's geregnet hat.„Hol's dieſer und der,“ ſagte er.„Das Lügen taugt doch allerwegen Nichts, und das Hartmachen, wenn Einem das Herz blutet, iſt doch auch eine purinzige Lüge.“ Während das in der Schmiede vorging, war Gerhard in die liebe Nachbarſchaft, Adjes ſagen.
Dobel's wußten's, daß er käme.
„Man meint, die Dreie hätten's ſo abgekartet, daß je nach acht Tagen Einer ſcheidet,“ ſagte Dobel.„Gebt Acht, die nächſte Woche rüſtet der Gabriel.“
Da fuhr Röschen ordentlich erſchreckt auf und ſagte:„Meint Ihr, Vater?“
„Freilich, meine ich's,“ entgegnete Dobel,„und das Meinen kommt mir ſchier ſo ſchwer an, als wärſt du ein Bub und gingeſt wandern. Ich hab' mich an den Jungen ſo gewöhnt, daß ich ihn ſchwer vermiſſen werde, und lieb hab' ich ihn im Herzensgrund.“
„Er iſt auch ſo fleißig, ſo ſtill und ſo brav!“ ſagte die Mutter. Da klopfte es, und Gerhard trat herein.
Er war ein bildhübſcher Junge von athletiſcher und doch ſchöner Geſtalt. Das ſchwarze Rabenhaar hing lockig um den


