Teil eines Werkes 
11. Band, Neue Folge : 3. Band (1855)
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Klippen beengt, trieb des Stromes Macht die Maſſe des Waſſers durch das enge Bette. Weiter aufwärts reichte der Blick auf mehrere Stunden in das Rheinthal. Mehrere Ortſchaften lagen da ſo friedlich in der Sabbatruhe; Burgtrümmer ragten hoch empor hier und da. Auf dem Strome brauſte ein Dampfer hinab mit fliegender Haſt, reich beſetzt von Reiſenden; ein anderer arbeitete ſtöhnend mit ſeinen Schaufelarmen gegen den Strom, während ein Segelſchiff von Halfterpferden gezogen, langſam und träge, das Bild einer untergegangenen Zeit, dem ſiegenden Repräſentanten der Neuzeit folgte. Kähne mit weißen Segeln ſchifften hinüber und herüber und durchſchnitten quer den Strom, wie weiße Möven.

Drunten zu ihren Füßen luſtwandelten theils auf der ſchönen Landſtraße, theils am grünbeſäumten Strande die Bürger, luſtwan⸗ delten die Jünglinge und Mädchen. Und darüber war der Himmel ſo rein und blau, die Luft ſo mild und wöhlig, daß ſie die Bruſt mit Luſt einathmete.

„Sagt,“ hob da Gerhard an,„was ſitzen wir hier und machen Kalender? Hängen trüben Gedanken nach? Es muß geſchieden ſein, und der iſt der Mannhafteſte, der's am Kräftigſten überwindet. Ein Lied thut wohl zu ſolcher Stunde, laßt uns Eins ſingen.“

Und alsbald ſtimmte er an:„Muß i denn, muß i denn zum Städtle naus, Städtle'naus, und du mein Schatz bleibſt hier ꝛc.“ Und ſie ſtimmten ein, wie's mit ihrer Stimmung im Einklang ſtand, und ſie ſangen's ſo ſchön und es klang ſo wundervoll in der reinen Luft hinaus ins Thal, daß alle Luſtwandelnden ſtehen blieben, wie bezaubert, und dem Geſange lauſchten, bis er wehmüthig und leiſe verklang.

Da ſtanden ſie auf und gingen ſtille den ſteilen Bergpfad hinab.

Daheim, das war die Abrede noch vor dem Stadthore, ſagten

ſie kein Wörtlein von dem, was da droben auf dem„Spitzen⸗ kpfchen“ ausgemacht worden war. Nur Jvſeph erklärte ſeinen

Eltern, in acht Tagen wolle er auf die Wanderſchaft gehen. Da wurde denn für den lieben Sohn geſorgt nach allen Richtungen;