Teil eines Werkes 
11. Band, Neue Folge : 3. Band (1855)
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aber ihr lieben Kameraden, wo ſollen wir uns denn nach zweien Jahren wieder finden? Das war ja auch eure Meinung.

„Freilich,“ erwiederte Joſeph.

„Das kannſt du beſtimmen,“ ſagte Gerhard zu Gabriel,„denn Ihr habt das große Buch mit den vielen Bildern drin, darin du alle Sonntag ſtudirt haſt, und kennſt ſchon die halbe Welt, ich meine das Buch von dem Sebaſtianus Munſterus, welches Cosmo⸗ graphie heißt. Weißt du nicht?“—

„Gewiß weiß ich's,“ verſetzte Gabriel;„aber ſoll's nahe, ſoll's weit ſein, das müßt ihr mir ſagen.“

„Wart!“ rief Joſeph, dem in der Erinnerung an ſeines Vaters Erzählungen der Kamm ſchwoll.

„So will ich euch die Stadt Hamburg vorſchlagen, und will euch auch nach dem Buche den Weg dahin aufſchreiben, daß ihr nicht fehlen könnet,“ ſagte Gabriel.

Es war ihnen wieder genehm, was er vorgeſchlagen. Sie gaben ſich Wort und Handſchlag und auch das war in Ordnung.

Ein Gefühl überkam jetzt die Dreie mit Macht, das ſie durch⸗ rieſelte, wie mit einem kalten Schauder. Sie hatten über wichtige Dinge ihres kommenden Lebens entſchieden, und es war eine der letzten Stunden, die ihnen auf dieſem ihrem gemeinſamen Lieblings⸗ plätzchen vergönnt waren.

Sie wurden wieder ſtill und Gabriel's Auge wurde feucht, denn dort unten, am grünen Saume des Rheines, ging Röschen. Er erkannte ſie an der Farbe des Kleides, an dem ganzen Weſen und der Haltung. Ob ſie die Anderen auch erkannt? Keines Auge ſah ſo ſcharf, als das Gabriel's. Sie bewegte Anderes. Die Stelle, wo ſie ſaßen, war unbeſtritten die ſchönſte in der Umgebung der Vaterſtadt. Links lag dieſe mit ihren Thürmen und Mauern; oben drüber die halbzerſtörten Mauern der Burg, die ſie einſt beherrſchte. Kein Thurm war mehr da, aber einzelne Mauer⸗ bruchſtücke ragten noch in die Lüfte. Drüben über dem Rheine ſtrebte ein rebenbepflanzter Berg hoch empor. An ſeinem Fuße brandeten des Rheines Wellen in weißem Giſcht, denn, durch