Teil eines Werkes 
11. Band, Neue Folge : 3. Band (1855)
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Gabriel, daß er viel mehr um das Mädchen ſein konnte, als ſie, aber Keiner ſagte das dem Andern oder ihm ſelbſt. So meinte am Ende Jeder, er liebe das Röschen allein und ahnte nicht, daß daſſelbe holdſelige Bild in des Anderen Seele ſtehe. So züchtig, wie ein Heiligthum, wurde das Mädchen gehalten, daß ſie es ſelbſt vermieden, unter einander von ihr zu reden. Wenn die beiden Anderen aber einmal auf den Gabriel neidiſch waren, ſo hatte das auch nicht die geringſte Folge für ihre Freundſchaft. Es lag in der Natur des Lehrverhältniſſes. übrigens war der Neid auch ohne allen Grund; denn Gabriel ſah Röschen oft kaum einmal am Tag und dann bewies ſie ihm nicht ein Haarbreit mehr Freundlichkeit, als den beiden Anderen. Für ihn war nur die eine

Folge daraus hervorgegangen, daß er, der ſie wenigſtens hörte,

wenn er ſie auch nicht ſah, mehr an ſie denken mußte, als die Anderen; daß ſich ihr Bild tiefer in ſeine Seele drückte; daß er ſie heißer und inniger liebte, als ſie vielleicht. Indeſſen war ſeine Lage dennoch nicht beneidenswerth. Er hatte auch öfter Grund zu Arger und Unzufriedenheit; wenn ſie in die Werkſtatt kam und kalt wieder ging, oder wenn er ſie liebreich um etwas fragte und ſie antwortete ſo gleichgültig oder kalt. Das ſchnitt ihm allemal tief in das Herz und er litt dadurch viel mehr, denn die Anderen. Manchmal war ſie auch wieder ſo lieb und zutraulich gegen ihn, daß er ſich für den Glücklichſten auf der weiten Erde hielt, aber näher kamen ſie ſich nicht. Gabriel ſah übrigens recht gut, wie das Mädchen täglich roſiger und ſchöner wurde, und das Mädchen hätte blind ſein müſſen, wenn es nicht hätte ſehen ſollen, wie auch der Gabriel ſchöner wurde und— ſie hätte kein Mädchen ſein müſſen, wenn ſie nicht hätte bemerken ſollen, daß, wenn ſie in der Werkſtatt ihm recht nahe ſtand, ſeine Hand bei der Arheit gar nicht ſo feſt war, als ſonſt, und wenn ſie etwas in der Küche zerbrochen hatte und hereinſpringend ſagte: Geh, lieber Gabriel, löthe mir das doch gleich, daß dann eine Flammengluth ſein Geſicht bedeckte. Mädchen von ſechzehn Jahren wiſſen weit beſſer, wo das hinaus will, als Jünglinge dieſes Alters, die dann noch