Teil eines Werkes 
5. Band (1852)
Einzelbild herunterladen

294

Märten Streffer's Kinder bettelten ihr Brod, obgleich ſie Freie geworden waren. Der tauſentfache Fluch, der ſich an ihres Vaters Namen knüpfte, ſchien auf ihnen zu laſten.

Sie verließ recht erſchüttert den Ort ihres Glücks, ihrer Jugend, ihrer ſchönſten Lebenstage, und ging über Bechingen zurück. Dort fand ſie von Fechenheimer's Familie keine Spur mehr. Die Männer waren alle bei Pfeddersheim gefallen, und die übrigen Alle in wenigen Jahren hingeſtorben.

Blutenden Herzens kehrte ſie in das Burghaus zurück, und es bedurfte der Liebkoſungen ihrer herzigen Kinder und der liebevollen Behandlung der edeln Frau, um ihr verwundetes Gemüth zu heilen und alle die ſchmerzlichen Vorſtellungen zu entfernen, die in ihrer Seele lebendig geworden waren. Schnell, aber doch zu langſam für die harrende Sehnſucht, und unangenehm durch das Schweben

zwiſchen Furcht und Hoffnung floſſen die Tage hin in Zeiskam. Endlich traf Ritter Rudolf ein. Die liebende Gattin eilte ihm 3 entgegen; Elsbeth ſaß bebend in der Ecke des Gemaches. Sie.

konnte nicht von der Stelle.

Ritter Rudolf trat ein. Sie wagte nicht zu ihm aufzublicken.

Er reichte ihr zuerſt eine Pergamenturkunde und ſagte:Du weißt, Elsbeth, der Herr Kurfürſt hat dich frei gemacht; aber du hatteſt keine Urkunde darüber. Ich dachte wohl, es ſei nothwendig, daß dir das verbrieft werde, für dich wie für deine Kinder. Nimm hier die Urkunde und bewahre ſie wohl, ſie ſichert die Freiheit dir und deinen Nachkommen.

Gott lohn's Euch und Euren Kindern, was Ihr an mir Gutes thut! ſagte Elsbeth, und die Thränen der Dankbarkeit* begleiteten ihre Worte.Aber, fragte ſie zitternd,wie ſteht es mit Nußdorf?

Der Kurfürſt heißt nicht ohne Grund der Sanſtmüthige, ſagte der Ritter.Sieh hier, er reichte ihr eine zweite Urkunde,die Begnadigung deines Gatten und die Rückſchenkung des Pfriemer'ſchen Anweſens an Heinz, ſein Weib und ſeine Nachkommen als freies Eigenthum für ewige Zeiten.