Teil eines Werkes 
5. Band (1852)
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Das arme Mädchen war jetzt frei. Der Knebel war ihr aus dem ſchönen Munde genommen; aber Todesangſt malte ſich in ihren Zügen.

„Wer biſt du, Mädchen?“ fragte ſie der Marſchalk.

Mit zitternder Stimme ſagte ſie, wem ſie angehöre. Faſt kein Wort konnte ſie zuſammenhängend reden, ſo preßte ihr die Angſt heftiges Weinen aus.

Der Marſchalk ſah ihre Angſt.

„Sei ruhig, Kind,“ ſagte er,„dir geſchieht kein Leid. Danke Gpott, daß du aus den Händen dieſes Unmenſchen erlöſt mrrhen biſt! Freilaſſen darf ich dich zwar nicht, denn du biſt das Kind eines Anführers der Aufſtändiſchen, aber hier ſtehſt du unter meinem Schutz und morgen unter dem deines Herrn, des Kurfürſten. Da trifft dich kein Weh.

Alles Nöthige war unterdeſſen beendet, der Ritter und ſein Knappe aufs Grauſamſte geknebelt und Elsbeth auf ein Handpferd geſetzt worden, und ſo ging es denn jetzt zurück in das Lager des Marſchalks.

Das unerwartete Zuſammentreffen war aber ſo nen Obgleich der Kurfürſt volles Vertrauen in die Ehrenhaftigkeit der Bauern ſetzte, ſo hegte doch der Marſchalk Sorgen um ſeine Sicherheit. So war er denn aus eigenem Antrieb im Dunkel der Nacht mit zweihundert Landsknechten ihm entgegen geritten oder doch nahe zu geritten, damit, wenn er von Verrath umgeben ſein ſollte, eine ſchnelle Hilfe möglich ſei. Durch die lichtloſe Racht, da nicht einmal Sternenlicht die Dunkelheit hellte, waren ſie jedoch in der Richtung irre geworden, in der ſie Forſt zu ſuchen hatten. Deshalb hielten ſie auf freiem Felde ſtille. Als ſie die Pferde hörten und den ſcharfen Ritt, meinten ſie, es ſei vielleicht der fliehende Fürſt; allein es war Erasmus, der ihnen in die Hände lief und ſeinem Schickſal entgegen, das ihn mitten im Wege zum Ziel einer neuen Frevelthat ereilte.

Im Lager entſtand allgemeiner Jubel über die Gefangennahnie des Mannes, der ſo vieler Verworfenheit ſich ſchuldig gemacht⸗