8 „Welche Annunciata?“ fragt der Mann zurück.„Ihr wiſſet, der Name iſt hier ſehr häufig!“
„Annunciata Marini, die dort, gegen dem Schuſter Tibaldi über gewohnt hat, die ſchöne Annunciata, die ſo ſchön ſang?“
„Ich kenne ſie nicht!“ war des Mannes Antwort;„ich kenne den Schuſter Tibaldi nicht.“
Da legt ſich eine Eiſeskälte auf ſein Herz. Stumm wendet er ſich weg und geht zu ſeinem Gaſthofe zurück.
„Todt!“ ſagt er,„todt! darum Hct ſie nicht mehr.“
Wie er ſo dahingeht, begegnet ihm ein Weib, die ihn kennt.
Ach, Maeſtro!“ fagte ſie,„ſeid Ihr wiedergekommen?“
Er ſtarrt ſie an.„Kennt Ihr mich?“ fragt er.
„Wie ſollt' ich nicht? Hab' ich doch ſo oft gelauſcht, wenn die ſchöne Annunciata ſang und Ihr geigtet. Ja, der ſchreckliche Brand hat uns Alle elend gemacht!“
„Wo iſt Annunciata?“ fragt er mit bebender Stimme.
—Ach, das iſt eine betrübte Geſchichte,“ ſagte die Frau.„Ich will ſie Euch ucherzihlen, obgleich meine Kinderchen daheim hungern. Sie hatte Euch recht lieb; und-der Schmerz um Euch war groß; aber geſtorben iſt ſie doch nicht davon, wie ſie meinte. Als der unglückſelige Brand kam, war ihre Mutter bereits todt. Da brannte auch ihr Häuschen nieder. Bei Tibaldi wurdeſie aufgenommen, der ſchon früher in eine andere Straße gezogen war, und dort lernte ſie einen Menſchen kennen, der ſie ganz Es war ein Menſch, der eines ſchlimmen Rufes genoß, ein Srroabe ſchön war er, Signor, ſo ſchön als einer an dem Ufer des Mekrbuſens.
Er ſpielte die Laute und ſie ſang. Wo ſie ſich blicken ließen, waren gleich Hunderte um ſie verſammelt. Das war kein Wunder, wiſſet ja, wie engelgleich das Mädchen ſang! Um dieſe Zeit finde
man eines Morgens einen Nobili, einen Gentiluomo, todt in Toledo.
Es mußte ein wilder Kampf zwiſchen ihm und dem Mörder Statt gefunden haben, ehe er unter den Dolchſtößen deſſelben fiel, denn X der Mörder hatte ſeinen Dolch in der Bruſt ſeines Opfers


