Teil eines Werkes 
5. Band (1852)
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laſſen. Und dieſer Dolch wurde als der Tommaſo's erkannt, und Tommaſo war Annunciata's Geliebter.

Da waren Beide plötzlich ſpurlos verſchwunden. Die Abruzzen wußten, wo ſie ihren Schlupfwinkel gefunden und bald erfuhren es auch die Leute; denn nie war ein Räuber kecker als Tommaſo; nie war ein Mörder erbarmungsloſer als er. Kein Reiſender war mehr ſicher; kein Schloß war ihm und ſeiner Bande zu feſt; aber

auch ſein Weib, die ſchöne Annunciata, erwarb ſich einen Ruhm.

Sie ſaß am Wege und ſang. Wenn nun die Reiſenden bei der ſchönen Sängerin verweilten, waren ſie verloren; ja, man ſagte, ſie ſelbſt führe die kühnſten Wagſtücke aus, kühner noch als ihr Mann. Ob aber das auch wahr geweſen, kann ich nicht behaupten. Ihr wißt, ein ſchönes Weib, eine Sängerin wie Annunciata, das Weib eines berühmten Räubers macht ohnehin viel von ſich reden. Lange Zeit ging das nicht, wie Ihr Euch denken könnt. Es wurden Carabinieri gegen die Räuber ausgeſchickt und ein großer Theil derſelben, auch Tommaſo, gefangen. Und Annunciata? fragte mit angehaltenem Athem der Jüngling. 7

Von ihr weiß man nichts, fuhr die Erzählerin fort.Tom⸗ maſo ſitzt in Sanct Elmo und ſein letzter Spaziergang wird der zum Galgen ſein.

Das Weib lachte bei dieſen Worten, reckte dann ihre dürre Hand aus und bat:Gebt mir etwas für meine hungernden Würmchen.

Giovanni warf ihr eine Gabe zu und wankte hinweg.

Das Weib ſah ihm nach.Armer Junge, ſagte ſie halblaut, du hatteſt ſie lieber als ſie dich!

Schier zwei Monate waren vergangen, da wälzte ſich eines Tags ein gewaltiger Menſchenſtrom gegen das Thor, unfern deſſen Giovanni's Wohnung gelegen war. Er trat aus ſeiner Thür,

3.