Teil eines Werkes 
5. Band (1852)
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S

iſt am ganzen Meerbuſen nicht mehr und mögen die Mädchen von Ischia noch ſo berühmt ſein, eine Annunciata, wie dieſe, gibt's dort nicht.

Konnte es anders kommen, als daß Giovanni halbe Tage lang bei ſeiner ſchönen Schülerin ſaß?

2 Schon nach wenigen Tagen mußte er ſich geſtehen, daß er zu tief in die ſchönen Augen geſchaut; daß er wie bezaubert ſei. Wo er ging und ſtand, ſah er ſie vor ſich. War er nicht bei ihr, ſo fehlte ihm das Beſte. Er war unruhig, zerſtreut. Seine eigenen Studien litten Noth; aber was half's? Er mußte hinüber. Es zog ihn eine Macht, der er keinen Widerſtand hätte leiſten können, auch wenn er gewollt woran aber ſeine Seele nicht dachte. Der Schuſter lachte wie ein Schelm.

Seit Annunciata mit Giovanni zum erſten Mal in San Carlo geweſen war, ſchien ſie verändert. War früher ihr Lernen nur Spiel, jetzt trieb ſie es mit der ganzen Leidenſchaft der Neapolita⸗ nerin. Sie hatte ein Ziel. Ihr Ehrgeiz ſtachelte ſie und ſtündlich wuchs ihr Eifer; aber auch ganz dem gemäß waren ihre Fortſchritte.

Giovanni war außer ſich vor Luſt.

Und immer inniger wurde das Verhältniß zwiſchen Beiden. Ihre Herzen ſchienen eins. Getrennt waren ſie unglücklich, vereint: ſelig. Sie ſchwelgten im Vollgenuſſe der Harmonien und nicht minder im füßeſten Rauſche der Liebe.

Als Giovanni nach Neapel kam, hatte ihn eins jener glücklichen Ereigniſſe, eine jener wunderbaren Fügungen, die wir Kurzſichtige mit dem inhaltloſen Worte Zufall bezeichnen, in eine Verbindung gebracht, die von dem erfolgreichſten Einfluß auf ſeine Zukunft zu werden verhieß.

Er war in Santa Maria bei einer muſikaliſchen Meſſe. Hier ſpielten nur Meiſter. Es war ihm gelungen, auf die Tribüne zu kommen, die dem Hochaltare gegenüber den Muſikern eingeräumt war. Man führte eine der wundervollen Meſſen Guglielmi's auf, in der Giovanni einſt in ſeiner heimatlichen Kirche die erſte Violine geſpielt.