„Und ich Euch herrlich geigen,“ ſagte ſie lächelnd. „Wollen wir nicht bisweilen zuſammen ſingen und ſpielen?“ „So oft Ihr wollt!“.
„Habt Ihr auch ſchon Noten geſungen?“
„Was iſt denn das?“ fragte ſie ungemein naiv.
S wenig war Giovanni auf dieſe Frage gefaßt, daß er ſie verblüfft anſah.„Alſo wirklich, Ihr wißt nicht was Noten ſind, ſchöne Annunciata?“
„Ihr ſeid ein ſeltſamer Menſch!“ rief ſie aus.„Was ſollte ich denn lügen? das iſt doch eine Sünde.“
„So will ich's Euch lehren,“ ſagte er und ſetzte ſich an ihre Seite. Es bedurfte nur eines ſehr geringen Aufwandes von Mühe. Sie faßte ungemein ſchnell und leicht.
„Seht Ihr nun,“ ſagte er,„daß man eine Engelsſtimme haben kann, ohne gehörig ſingen zu können?“
Etwas gedemüthigt, ſagte ſie:„Ja, nun verſtehe ich Euch und erkenne das; kann ich's denn nicht noch lernen?“ fragte ſie kleinlaut.
„Nichts leichter als das!“ rief der Jüngling aus.„Eine Schülerin, wie Ihr ſeid, wird's bald zu etwas Außerordentlichem bringen und ich ſehe Euch ſchon im Geiſt als Prima Doßa in San Carlo!“
Sie ſchlug erröthend die Hände zuſammen.
„Glaubt Ihr das?“ fragte ſie.
„Es iſt gewiß,“ ſagte er;„denn wahrlich, Italien hat keine zweite Stimme wie die Eurige!“ Der Unterricht begann auf der Stelle. Eine Schülerin von ſo außerordentlichem Talente mußte reißende Fortſchritte machen bei
dem Eifer und der Tüchtigkeit des Lehrers.
Der Lehrer war entzückt, als er endlich ſchied, und Annunciata war ſehr zufrieden. Die Bitte um baldige Wiederkehr wurde ebenſo freundlich ausgeſprochen als aufgenommen.
„Hab ich gelogen?“ rief der Schuſter, als Giovanni aus der Thüre trat.„Nein,“ antwortete er ſich ſelbſt,„ſolch ein Mädchen
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