Teil eines Werkes 
5. Band (1852)
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Laßt die Poſſen, ſagte Giovanni,und kommt endlich zur

Sache. Richtig, das heißt, zur Sängerin! verbeſſerte der Schuſter. 3Nun, ſie ſingt wie ein Engel, iſt hübſch wie ein Engel, iſt brav

wie ein Engel und heißt Annunciata. Weiter war ihr Vater ein Fiſcher, daher er auch bei den Fiſchen ſtarb, nämlich am Cap Miſene im Sturm ertrank. Nun lebt ſie mit ihrer Mutter in dem Häuschen da drüben von ihrer ſchönen Hände Arbeit und wird Euch 1 gerne bei ſich ſehen. Soll ich's einleiten? Giovanni war von Begierde erfüllt, das ausgezeichnete Mädchen zu ſehen. Er bejahte daher des Schuſters Frage, und dieſer ließ Knieriemen und Ahle fallen und eilte hinüber, nachdem er dem Jünglinge geſagt, er ſolle ein bischen warten.

Die weuigen Minuten dehnten ſich zu einem Jahre für den Ungeduldigen. Endlich kam der Schuſter wieder und rief:Evviva San Gennaro! Ihr dürft kommen. Heute Mittag erwartet ſie Euch. Ich hab' Euch wieder eine Lobrede gehalten, daß Euch die Ohren 7 müſſen geſingelt haben! Der Jüngling konnte die Stunde kaum erwarten. Es war ſechzehn Uhr, nach italiſcher Zählung der Stunden. Die Sieſta war vorüber. Mit ſeiner lieben Geige unter dem Arme, ſorgfältiger als ſonſt gekleidet, ſtieg Giovanni Pergoleſe die leiter⸗

artige Stiege von ſeinem Kämmerlein herab. Der Schuſter ſaß

fröhlich auf ſeinem Dreibeine vor der Thür an ſeiner Werkbank

und ſah ihn kommen.Aha! rief er,ich merke, die Geduld iſt ſo kurz wie Eure Sieſta. Geht! San Gennaro geleite Euch! Aber davor möcht' ich Euch warnen, daß Ihr nicht zu tief in die Flammenaugen Annunciata's blickt. Da geht's einem jungen Manne* wie dem Schmetterling am Licht. Er verbrennt ſich die Flügel und kann nicht mehr fort. Drauf lachte er aus vollem Hals und

Giovanni ging, ärgerlich über den tollen Menſchen, in die Thüre des gegenüberliegenden Hauſes.

Bald öffnete eine betagte Frau, deren Züge auf einen vollen

Jugendreiz zurückwieſen, wie Trümmer auf die einſtige Pracht eines