Teil eines Werkes 
5. Band (1852)
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En fleißigſte junge Se in Neapel.

Was ihn aber jetzt abermals feſſelte, war daſſelbe Lied, das er auf dem Molo gehört. Und doch war es ein ganz anderes. Dort hatten es Männerſtimmen geſungen, hier aber ſang es ein Engel!

In dem Hauſe gegenüber ertönte plötzlich eine Stimme, wie ſie Giovanni kaum jemals ſo friſch, ſo rein, ſo voll, ſo biegſam, ſo klangreich und zart gehört. Sie ſang dieſelbe elogiſche Barcarole, wie dort die Fiſcher, aber hier waltete ein Zauber, eine Macht, die ihm den Athem ſtocken machte.

Giovanni's Stimmung, die ſtille, reizende Nacht, die Melodie des Liedes, die Engelſtimme, die es ſang das Alles wirkte zuſammen, um einen Eindruck hervorzubringen, wie ihn der junge Maeſtro niemals empfunden.

Er ſtand da wie eine Bildſäule und wich nicht, ſelbſt: da, als Alles wieder in die frühere Grabesſtille verſunken war. Er meinte immer, die Stimme müſſe noch einmal ſingen; als er aber die Erfolgloſigkeit ſeines Harrens endlich erkannte, eilte er auf ſein Kämmerlein, aber ſelbſt in ſeinen Träumen hörte er 6 den herrlichen Geſang.

Am andern Morgen war ſein erſter Gang zu dem luſtigen Schuſter, bei welchem er wohnte. Er erzählte von dem herrlichen Geſang und fragte nach der Sängerin.Choſpetto! Herr, rief der Pechdraht,habt Ihr endlich das Vögelein gehört? Ja, das iſt eine Nachtigall! Im Tageslicht ſingt ſie ſelten; aber Abends, ja Abends, entzückt ſie die ganze Nachbarſchaft, und wäret Ihr um dieſe Zeit zu Hauſe geweſen, ſo wüßtet Ihr längſt, welch einen Schatz wir in unſerer Gaſſe haben.

Uebrigens meint man, Ihr wäretgein Nordländer. Himmel, wie ich ein Kerl von Euren Jahren war, bei San Gennaro! ich hätte in den erſten zwei Stunden gewußt, daß das ſchönſte Mädchen vom Meerbuſen von Neapel mir gegenüber wohnte! Doch, ich will Euch nur ſagen, daß ſie beſſere Augen hat, als Ihr, aber doch nicht wie Ihr in die gekritzelten Notenblätter verliebt iſt. Sie hat nach Euch gefragt, und ich habe ihr geſagt, Ihr ſeiet der bravſte

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