— 342—
wechslung ledigen, entſchloſſenen Männer, an ihrer Spitze Lauer und Prätorius. Gedrängt voll war das hohe, herrliche Gebäude. Wunderbar ergreifend rauſchte der herrliche Geſang Paul Gerhard's: „Befiehl du deine Wege,“ daher in den Hallen des Herrn. Er war verhallt.— Auf der Kanzel ſtand der ſilberhaarige Greis, und jedes Auge hing an ſeinem Munde.
Jetzt öffnete er ihn und brachte dem Herrn die Opfer des Danks im inbrünſtigen Weihegebete; dann begann er mit Iugend⸗ kraft die Predigt, und dieſes Wort, das zu neuem Leben, neuer Liebe mahnte, dieſes Wort, das das Alte vergeſſen hieß und fortan ein Leben im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung zu führen ermahnte, ergriff Aller Herzen wunderbar, und ſtreute eine Saat, aus der Duldung und Milde gegen anders Denkende in der folgenden Zeit hervorwuchs und reiche Frucht trug.
Als die Predigt geendet war, trat der tiefgerührte Greis vor den Altar.
Die Jungfrauen führten die ſchöne Braut, der Rheingraf den Jüngling herzu, und der Vater ſegnete ihren Liebebund fürs Leben.
Das waren heilige Augenblicke in ihrem Leben, deren Nach⸗ klang bis ins hohe Alter i
Als ſie beim frohen Mahle ſaßen im Saale, da trat Rima herein mit einem Packe Pergamente. „Es iſt Zeit, daß der üble Schein ſinke,“ ſprach er.„O, die Welt hat hart gerichtet, und ich trug's als Strafe meiner Ver⸗ ung.— Doch— der über den Sternen ſah mich und mein Ich habe deine Habe eingezogen, Inſelius, ich war dein halter. Sieh', ob ich treu war. Hier haſt du Alles mit n wieder.“ Er legte die Pergamente in die Hand Inſelins' O, du Vielverkannter,“ rief der Greis, ſeine Hand faſſend d,„du haſt im Stillen Gutes gethan und Schmach chuldig— möge dir's Gott vergelten öffentlich.“


