Teil eines Werkes 
4. Band (1851)
Einzelbild herunterladen

5 Der Wächter, Hanns Adam Bernhardi, blies eben die eilfte Stunde auf dem Markte von Bacharach, und hüllte ſich enger in ſeinen weiten warmen Rock, denn die Kälte war ſchneidend, und ein heftiger Oſtwind ſchärfte ſie noch. Der Himmel war mit dickem Gewölke bedeckt, durch das nur ſelten ein Strahl des Mondes fiel, der eben im Abnehmen war, und ſpät erſt aufging. Die ſpaniſche Wache auf dem Holzthorthurme verließ den hohen, freien Standpunkt, um tiefer unten bei den Kameraden in der Thurmwachtſtube ſich zu erholen. Alles war ruhig außerhalb der Stadt. Oben auf den Bergen und weithin bei Nauheim ſtanden die ſchwediſchen Vedetten. Ehe der Soldat ſeine Stelle verließ, ſandte er einen forſchenden Blick in die nahe Umgebung konnte aber nicht das mindeſte von Gefahr entdecken. Und doch war ſie näher, als jener ahnete; denn in einen weißen weiten Reitermantel gehüllt, den breitkrempigen Hut mit einem weißen Tuche bedeckt, damit er nicht von der Grundfarbe der ſchneebedeckten Gegend zu unterſcheiden ſein möge, ſchlich eine hohe, edle Mannesgeſtalt über den Mühldamm von der Mönchrinne her, zwiſchen den alten Weidenſtämmen dem Holzthore zu.

Sein Auge ſpähete unabläſſig nach dem Wachtpoſten auf dem Thurm. Er mußte jetzt entdeckt haben, daß dieſer unbeſetzt ſei; denn er ließ das Schleichen, und lief ſchnell herzu, wendete ſich aber rechts hinab in das Bette des zugefrornen Münzbachs. Als er an den Bogen kam, der in die Stadt den Bach einließ, fand er ihn faſt ganz zugefroren, ſintemal es ein ſehr gedrückter Bogen war. Er unterſuchte betaſtend die noch gebliebene Oeffnung, zog ein kurzes Schwerdt heraus, und begann ſo leiſe als möglich die DOeffnung zu erweitern. Während er ſo arbeitete, ging die Wache wieder einmal oben hin, nachzuſehen, ob noch Alles ſicher ſei. Des Spaniers Auge, vom Lichte geblendet, konnte nichts entdecken, doch war ſeine

3

5