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Der Rheingraf ſah ihn ſcharf an, doch lächelnd.
„Habt Ihr Verwandte drinnen, Herr Doctor?“ fragte er den Greis.
„Nein,“ erwiederte dieſer.
„Freunde?“—
„O, die ganze Stadt, mit wenigen Ausnahmen,“ ſprach mit erhebendem Gefühle der Greis.
„Dann habt Ihr vielleicht ein Liebchen dort?“ fragte jetzt, ſich raſch zu Friedrich wendend, der Rheingraf.
Da ſtand Friedrich hocherglühend da und wußte kein Wort zu finden.
Der Rheingraf ſah ſeine peinliche Verlegenheit, und ließ ihn nicht lange darin.
„Wie es auch ſei,“ ſagte er,„Ihr habt mein Wort!“
Darauf wandte er ſich zu dem Hauſe, das ſie jetzt erreicht hatten, und trat heitern Sinnes hinein.
Der Abend war gekommen mit ſeiner Dunkelheit und brachte Schneegewölke an den Horizont. Gegen zehn Uhr war ſchon Alles mit einer hohen Schneelage bedeckt, und die Gegend hatte jenes eintönige, öde, traurige Ausſehen, was einer gebirgigen Landſchaft eigen iſt.
Draußen war es ſtill. Nur der Ruf der Wachen und Vedetten hallte durch die Stille der Nacht weit her, und die Wachtfeuer brannten luſtig auf den Gipfeln und Felskuppen. Um das erwär⸗
mende Feuer ſaß der Rheingraf, nebſt den Hauptleuten ſeiner Truppen und Friedrich. Der Greis war zu ſehr erſchüttert von den Eindrücken dieſes Tags. Er hatte die Ruhe geſucht, die er in dem Hauſe eines ſeiner ehemaligen Kirchſpielgenoſſen fand. Der Rheingraf hob alſo an:„Niemand, ihr Herren, kann uns hier weſentlichere Dienſte leiſten, als dieſer junge Mann, der in Bacharach gelebt und des Ortes Lage und Verhältniß, ſowie
ſeine Thore und Mauern gehörig kennt. Laſſet uns ihm alſo unſer Ohr leihen. Welche Seite der Stadt haltet Ihr für die am
7 leichteſten zu erobernde? Welches Thor iſt das ſchwächſte?“—


