— zu uns, und ich hatte recht meine Freude an ihr. Auch eurer Kinderſpiele wurde gedacht. Sie ſprach, obgleich ſie allemal erröthete, mit wahrer Begeiſterung davon, und ſah wie in ein
„ Paradies in jene ſchönen, harmloſen Tage zurück. Du weißt, der . Miüller iſt ein reicher Mann und hat nur zwei Kinder. Röschen war gar ſchön, ſittig und anſtändig. Da fehlte es trotz ihrer
Jugend an Freiern nicht. Sie ſchlug Alle aus, obwohl der Vater ihr oft grollte. Endlich kam ein Müllerſohn, ein tüchtiger, braver Menſch, eines wackern Mannes Sohn, aber roh und nichts weniger, als zu Röschen paſſend. Da half alles Sträuben nicht. Sie mußte ihn heirathen. Damals hab' ich das arme Kind bejam⸗ mert.— Abneigung fühlte ſie nicht, aber auch keine Zuneigung. Kurz, ſie wurde ſeine Frau. Ein Jahr ſind ſie nun verheirathet. Auf deine Frage kann ich leider nur verneinend antworten. Ihr Mann verſteht ſie nicht, höhnt ihre zarten Empfindungen als Ziererei und Pimpelei, und nöthigt ſie, Alles in ihr Inneres zu verſchließen. Man ſieht ihr an, daß ſie leidet, und ihr Ausſehen iſt ſo merkwürdig, daß es mir oft bange um ſie wird.
„In ihr Auge ſieht man ſo tief, ſo merkwürdig tief hinein, ſo in die Seele, und dieſe Seele iſt belaſtet. Der Blick iſt ſo wehmüthig, daß man ſie nicht anſehen kann ohne Mitleid. Dabei iſt ihre Haut faſt durchſichtig klar, und ihre Wängelein ſind ſo eigen geröthet, daß ich Sorge um ſie trage.“
So ſprach meine Mutter, und mir, der ich Arzt war, gab dies Bild eine Ahnung, die mich um ſo tiefer bewegte, als ich
erſt jetzt es recht fühlte, daß Röschen noch ein unentweihtes, heiliges Plätzchen in mein Seele hatte.
S Sollte ich ſie ſehen? Das war eine Frage, die ich mir kaum —„
zu bejahen wagte unter dieſen Verhältniſſen. „ Ich ging in den Garten und ſ tich in die dunkle Laube.
. Ich ließ Alles, was mir die gu utter geſagt, an meiner prüfenden Seele nochmals vorübergehen, und— Eitelkeit war es.
wahrlich nicht!— mir kam der Gedanke, daß das Kind, abge⸗ ſchloſſener als ich es geweſen, der Jungfrau die Jugendliebe über⸗
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