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liefert, daß ſie, vielleicht— vielleicht!— durch das Spiel der Phantaſie dieſe Liebe im Ideal ihres Weſens und Lebens ausge⸗ bildet und nun, um ihr Ideal betrogen, verkümmerte.
Ich fand, daß Thränen über meine Wange rannen, und— ſchämte mich ihrer nicht, wie ich mich nicht ſchäme, das zu bekennen.
Unter dieſen Umſtänden gebot mir mein Herz, ſie zu meiden. Ich blieb ja doch nur kurze Zeit.
Allein der Sehnſucht, ſie unbemerkt zu ſehen, konnte ich kaum widerſtehen. Es gab ſich dazu Gelegenheit. Der Mutter hatte ich mit aller zutraulichen Offenheit geſagt, was ich vermuthet, und ſie geſtand dem zum Manne reifenden Sohne, daß ich das gefunden, was ſie längſt vermuthet habe. Sie billigte meinen Vorſatz, ſie zu vermeiden.
Einen Tag ſpäter ſaß ich wieder leſend in der Laube. Die Mutter pflanzte im Garten. Da hörte ich eine metallreiche, ſüße Stimme ſie grüßen. Dieſer Ton ergriff mich doppelt. Als
Kediciner vernahm ich darin klar jenen eigenthümlichen Klang, der auf eine hektiſche Affection zu ſchließen vollkommen berechtigt; und als Menſch hörte ich Röschen's Stimme, die Stimme, die mir ſo theuer war, deren ſüßen Wohllaut ich noch in der Erinne⸗ rung trug. Mein ganzes Weſen war⸗ in eigenthümlicher Spannung. Ich bog die Zweige aus einander. Da ſtand ſie vor mir, ſo nahe, daß ich in das ſeelenvolle, große Auge hineinſehen konnte, in das man, wie meine Mutter ſagte: ſo tief, ſo tief hineinſah. Da erblickte ich die zarte, ſchöne Geſtalt, das engelſchöne Antlitz mit dem Ausdrucke des tiefen innern Wehes, und doch jetzt vvn einem Zauber der Freundlichkeit übergoſſen, von einem Lächeln
verklärt, das ſie unendlich reizend machte.. Ich ſah ſie an Herzen, und wieder rieſelten
meine Thränen, denn i ßte mir ſagen: du armes, theures Weſen, haſt nicht mehr weit zum Grabe! Ich mußtelir mit einem Seufzer, mit einem Stich in das Herz ſagen: wie glücklich hätte ich mit du mit mir werden können!


