Teil eines Werkes 
4. Band (1851)
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Oft hatte ich Mährlein gehört, aber keins war mir ſo in die

Seele eingedrungen, keins hatte mich ſo ergriffen. Das Kind erzählte aber auch gar zu lieb!

Weißt du noch mehr ſolcher Mährlein? fragte ich ſie.

Gewiß, viele, viele! erwiederte ſie lächelnd.

Weißt du was, ſagte ich darauf,komm' alle Tage hierher; dann wollen wir die Fiſchlein füttern, ſpielen und Mährchen erzählen.

Ach, das iſt ſchön! ſprach Röschen freudig.Es kommen doch keine Kinder in die Bannmühle und mein Käthchen iſt noch ganz klein.

Von da an war eine mächtige Veränderung in mir und mit mir vorgegangen. Ich mied die rohen Knaben des Dorfs; ich durchſtrich nicht mehr Wald und Flur; ich angelte nicht mehr, hob kein Vogelneſt mehr aus, quälte kein Thierlein mehr; ja mein Zartgefühl ſteigerte ſich in dem Maaße, daßt ich überall auf meinen

Weg blickte, um nicht etwa die Ameiſe zu zertreten, die darüber

weglief. Wenn aber die Lehrſtunden aus waren, flog ich aufs licbe Plätzchen am Fluß und fand regelmäßig ſchon Röschen da. Sie hatte Alles dort anders eingerichtet. Da war eine Küche, eine Stube und das Nöthige an Geſchirren fehlte auch nicht. Wir fütterten unſere Fiſchlein, die ſo zahm wurden, daß ich am Ende nur zu pfeifen brauchte, ſo kamen ſie in Schaaren; wir ſpielten, kochten, erzählten kurz die Stunden flohen ſchnell wie der Gedanke, und Niemand ſtörte uns, weil Niemand unſer ſchönes Plätzchen, unſer Zuſammenſpielen und Leben kannte. Harmloſer, glücklicher und einiger unter ſich, ſchuldloſer und reinet ſpi Kinder als wir! Erſt der Winter zerſtörte unſere

e Luſt;

aber wir tröſteten uns mit dem Frühling, und dann und wann, wenn die Sehnſucht bei mir zu groß wurde, ging ich zu Röschen in die Bannmühle, und wir ſpielten dort unter den Augen ihrer ſinnigen Mutter nicht weniger glücklich.

Als endlich die ſchöne Jahreszeit wiederkain, war von einem ſchweren Eisgang unſer Plätzchen arg mitgenommen. Mit einem großen Aufwande von Mühe ſtellte ich Alles wieder her, und das

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