immer, das wäre gerade ſo, als wenn man ihr ihre Kinder nähme. Sie würde ſich zu Tode weinen, und wie ſchreien die armen Thierchen doch auch.“ s 2
Jetzt ſchlug mich mein Gewiſſen. Wie oft hatte ich das Weh⸗ geſchrei gehört und nichts dabei gedacht. Jetzt fiel mir's auf die Seele und drückte mich.
Röschen mochte das ahnen; ſie nahm ein Stück Brod aus ihrer Schürzentaſche und krümmelte es in das Waſſer. Ganze Schwärme von Fiſchen kamen und haſchten die Broſamen. Es war eine Luſt anzuſehen. Dieſer Anblick tilgte jene Empfindung ſchnell.
„Siehſt du,“ ſagte ſie,„ſo mache ich mir eine Freude mit den lieben Thierchen.“ Als ihr Brod verfüttert war, kam auch mein Vieruhrbrod an die Reihe, und in ſeliger Luſt ſahen wir es zum Mahle der zahlreichen Schwimmer dienen.
„Ich will dir'mal erzählen, wie's mal einer ſchönen Fiſchers⸗ tochter ging, die auch ſo Fiſch lein fütterte,“ ſagte Rööch en und ſetzte ſich auf meine Moos und ich mich neben ſie.
Mit wunderſamem Zauber erzählte ſie mir nun, wie einſt eine Fiſcherstochter die Fiſchlein am Ufer des Fluſſes auch ſo gefüttert und ihre Freude dran gehabt habe, und die Fiſchlein hätten ihren Ruf gekannt, und ſeien gekommen auf dieſen Ruf. Einmal habe ſie auch ſo da geſeſſen und ſie gefüttert, da ſei aus den Weiden der Königsſohn herausgekommen, der auf der Jagd geweſen. Als er die Fiſcherstochter geſehen, habe er ſich zu ihr geſetzt und mit ihr ſeine Freude an den Fiſchlein gehabt, aber er habe auch die
Fiſcherstochters lieb gewonnen und beſchloſſen, zu
machen, wenh er aus dem Kriege zurückkomme. be er ſie oft geſehen an dem Ufer, und endlich, als der Krieg aüsgebrochen, da habe er ihr beim Abſchied einen koſtbaren Ring gegeben und zu ihr geſagt: ſie ſolle ihn ja in Acht nehmen, bis er wiederkomme. Alle Tage ſei nun die Fiſcherstochter ans Ufer gegangen und habe die Fiſchlein gefüttert und an den Königsſohn gedacht. Dann habe ſie den Ring, den ſie am Hals an einem Schnürlein getragen,
betrachtet. Der Krieg habe ſich aber in die Länge gezogen und der


