Sie ſah das Thierchen wehmüthig an, dann mich.„Was hat dir denn das arme Thierlein gethan?“ fragte ſie.
„Mir?“ war meine verwunderte Gegenfrage.„Nichts!“
„Ei, warum quälſt du es denn? Siehe, die Angel hat ihm den Gaumen zerriſſen, daß es blutet, und nun wird es jämmerlich ſterben.“ Sie nahm mir das Fiſchlein ab und warf es wieder in den Fluß.
„Wie ſeid ihr Buben doch ſo garſtig,“ ſagte ſie,„in euren Spielen. Müßt ihr denn die armen Thierchen quälen? Die Mutter ſagt immer: Quäle kein Thierlein, denn die hat der liebe Gott auch gemacht, daß ſie ihres Lebens ſich freuen. Darum hat Gott auch keine Freude an euch!“—
Noch heute, wo ich nach einer langen Reihe von Jahren die Scene wieder lebendig vor meiner Seele auftauchen ſehe, wird mir der Eindruck wieder erinnerlich, den dies Wort auf mich machte. Hätte mir mein Vater eine lange edigt gehalten, ſie würde ſicherlich nicht die Hälfte des Eindruckes gemacht haben, wie dies einfache, eindringliche Kindeswort. Wie ein elektriſcher Schlag durchzuckte es mich, der Kopf ſank mir herab. Ich fühlte tief im Herzen, wie wahr das ſein müſſe, und raſch, wie ich im Entſchluß und Handeln war, zerbrach ich die Angelruthe und ſchleuderte ſie weit hinaus in den Fluß.
„Nun will ich auch nie mehr angeln!“ rief ich aus. Das ſchien ſie nicht erwartet zu haben. „Wie du auch heftig biſt!“ rief ſie aus.„Biſt du mir bös?“
fragte ſie nach einer kleinen Pauſe. „N in! Röschen,“ entgegnete ich,„du haſt recht. Ich
will nicht angeln.“
keine Vogelneſter mehr Die Kinder ſagen, du thäteſt das?“
Ich wurde glühend roth.
„Auch das will ich nicht mehr thun!“ rief ich mit einem Gefühle der Reue, wie ich es nie empfunden. 4 „Ach, du biſt gut,“ ſagte ſie.„Siehſt du, die M
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