Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
Einzelbild herunterladen

336

Apotheker ſind keine zünftige Handwerker! Unſer Gewerbe iſ 9 Kunſt, und du, die Frau eines Apothekers, ſollteſt das . wiſſen. t Nühle, Rühle, dir iſt der Teufel der Bosheit unter deine Perücke gefahren. Geh', nimm ein niederſchlagend Pulver, ſammt einer Blutreinigung, die Galle iſt dir ins Geblüt geſchlagen. Er 5 rannte hinaus und warf die Thüre zu, dieſe ſpottenden Reden griffen ihm ins Herz hinein.

3 1II.

Solcher Scenen gab es indeß immer mehr. Es war in der That mit Rühle nicht wohl mehr auszukommen. Je ärgerlicher ihm der Gehülfe wurde, der ihm übrigens Alles that, was er ihm nur im Auge leſen konnte, deſto höher ſtieg dieſer in der Gunſt der Madame Rühle. Er hätte ihn ſchon gerne entlaſſen, wenn er es gewagt hätte; denn nie hatte ſich ſeine Frau ſo für einen Gehülfen ausgeſprochen, und nie ſaß einer ſo feſt in ihrer Gunſt. Wenn ihm dieß ſchon Lebensüberdruß bereitete, ſo mußte der noch ins Ungeheure wachſen, da die Mohrenapotheke täglich ihre Herr⸗ lichkeit in größerem Maßſtabe entfaltete. Des Beſitzers bedeutende Geldmittel liehen der Arbeit Flügel. Es war noch nicht halber Mai, da war Alles fir und fertig.

Ausſtecher fand ſich eines Nachmittags nach der Sieſta ein.

Der Mann war überſelig. Er bat ſich die Ehre aus, daß Herr und Madame Rühle ſein Haus und ſeine Apotheke ſähen.

Dem war nun freilich auf ſchickliche Weiſe nicht auszuweichen.

O wie manchen ſauern Apfel muß ich anbeißen! ſeufzte

Rühle in ſich hinein, und fluchte alle Wetter in Ausſtecher's

Magen. Wie ſauer aber auch der Herr College die Miene zog,

ſehr er ſich mit Unwohlſein entſchuldigte, es half nichts.

Ausſtecher ließ nicht nach mit Bitten. Zu des Geängſteten größten

Schrecken, ſtellte ſich ſeine Frau nun auch auf Ausſtech