„Vortrefflich! Je mehr Aerzte, je mehr Kranke!“ rief Aus⸗ ſtecher.„Glauben Sie mir, das iſt eine alte Erfahrung, die werden ſich nun in die Apotheken theilen, auf einander ſchimpfen, wie überall, und deſto mehr in den Häuſern herumlaufen. Es wird ſich machen. Man muß ſich nur mit ihnen halten; Jedem artig und zuvorkommend ſein, feine Liqueure ins Haus ſenden und Einem die Recepte des Andern heimlich zeigen, und auf die chemiſchen Inconvenienzen aufmerkſam machen; denn Sie wiſſen, liebſter Herr College, daß es mit der Chemie bei den hochgelehrten Herren nicht ſo fürtrefflich zu ſtehen pflegt, daß ſie häufig Dinge in die Mir⸗ turen miſchen, welche ſich gegenſeitig aufheben. Nun, man weiß das ja hinlänglich. In Summa, es gibt Mittel genug, eine Apotheke in Aufnahme zu bringen— und die verſteht mein Neffe aus dem Fundament!“ Er empfahl ſich jetzt und bat um Erlaubniß, bald wieder kommen zu dürfen. Rühle ſank erſchöpft in ſeinen Stuhl. Das war zu viel für einmal. Das ſchönſte Haus der Stadt, ſchöner als der Pelikan, groß, geräumig, prachtvoll— es war in der Hand dieſes Broddiebs, wie er den Collegen jetzt nannte. Der war reich, und, was mehr als Alles für ihn war, er hatte mit ſeltener Offenheit ſich über die 1 Art und Weiſe ausgeſprochen, wie man eine Apotheke en vogue bringen könne— und— kannte dieſe Wege genau. Kalter Schweiß bedeckte ihn am ganzen Leibe.
Settchen ſaß ruhig da und ſchien ſich ſelbſt an der Angſt ihres Gatten zu weiden. Sie lächelte und ſagte:„Häng' dich nur nicht auf, Rühlchen! denke nur, daß du lang genug Hahn im Korbe
warſt, und reich geworden biſt, wie ein Kröſus. Laß den Zweiten 4 auch mal Etwas gewinnen.“ „Auch du noch!“ rief er mit Pathos aus und rannte zur Thüre hinaus, um im Freien ſich in Monologen Luft zu machen, dd es im Dialog nicht ging. Der Gehülfe trat herein und bat ſich die Erlaubniß aus, auf dem Fortepiano ſich erluſtiren zu dürfen. Frau Rühle geſtand das gar gerne zu, denn ſie liebte die Muſik, beſonders Strauß'ſche und Lannerſche Walzer. Dabei hatte ſie


