—330— „ich werde mir die Ehre geben, Ihr Geſchäft zu verlaſſen, werde aber zuvor dem von Ihnen ſo benannten langbeinigen Medicinalrath einige Eröffnungen über die Art und Weiſe machen, wie Sie der Taxe wohlmeinend nachhelfen, wo ſie zu beſcheiden iſt, und die Medicamente veravbeiten, damit ſie weiter reichen; auch die gebrauch⸗ ten Blutegel um halben Preis wieder nnhien damit ſie den Leuten nicht krepiren u. ſ. w.“
„Satan!“ brüllte Herr Rühle und fuhr mit der Hand nach des Subj ects Gurgel.
Der aber faßte ſeine Fauſt mit Kraft und hob den Principal unter ſeinen linken Arm wie einen Waarenballen, und ſchritt behende mit ihm die Stiege hinab, ſetzte ihn dann nieder, und ging mit einem Knix in ſeine Stube, um ſein Bündel zu ſchnüren.
Rühle mußte in die Apotheke, um die Mirtur zu bereiten. Hier verrauchte ſein Grimm ſo ſchnell, wie er gekommen. Er ſah ein, daß er bei der Malice des Mörſer in nicht geringe Verlegen⸗ heit kommen könne. Daher verſuchte er ſeine Frau in das Intereſſe zu ziehen; allein hier fand er taube Ohren. Der Mörſer war der Liebling von Madame nicht, denn er maltraitirte die Katze beſtändig und war nichts weniger als artig gegen ſie geweſen. So blieb
denn dem Apotheker nichts übrig, als gute Miene zum böſen
zu machen und das Subject freundlich zu gewinnen. hier
ſcheiterte ſeine Bemühung. Mörſer lächelte kühl, zog die 2 t9jeln
und meinte, nach ſo traulichen Mittheilungen, wie ſie ſich gegen⸗ ſeitig in der Material⸗Kammer gemacht, wäre es nicht gut, länger unter einem Dache zu weilen. Er ſtrich ſein Salair ein, empfahl ſich zu geneigtem Andenken und ging.
Die Calamitäten Rühle's hatten durch des Gehülfen Weggang einen höchſt unerfreulichen Zuwachs erlitten, welcher durch die augen⸗ ſcheinliche Heiterkeit ſeiner Frau an Wirkung zunahm. Schnell
ergingen Briefe an Commiſſionäre und Materialiſten, welche ſich,
wie Rühle ſarkaſtiſch ſich ausdrückte, auch mit dieſer Nateria pec— cons befaßten, um den Defect zu decken. Nebenbei ſchrieb die an Julchen und 4 Freude,*ß d


