Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
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Der Erzähler hat hier den holden Leſerinnen eine Eheſtands⸗ ſcene geſchildert, die nichts weniger als grau in Grau gemalt iſt. Er darf verſichern, daß ſie ſich haarklein ereignete. So viel als ſie zuletzt als Nutzanwendung zu der Freundin ſprach, war lange nicht über die Lippe der guten Dame gegangen, die Freundin überhob ſie auch des weiteren Redens, indem ſie den Courmacher Julchen's ſchilderte, aber auch einfließen ließ, daß Offiziere, Aſſeſſoren und andere Faſhionabilitäten ſie umkreiſt, wie die Planeten die Sonne. Die Referentin hatte wirklich geſunde Augen gehabt, und zu Julchen's Lobe nicht zu viel geſagt. Sie war wirklich allerliebſt, das mußte ihr Jedermann zugeſtehen. So himmelblaue Aeuglein ſah man ſelten, und der Himmel, den ſie bargen, war noch ſchöner und reiner und treuer. Das nußbraune Haar hob den ſchneeweißen Teint und die Wängelein ſchienen pure Roſen. Doch wozu das Mädchen ſchildern. Alle Männer riefen: Sie iſt ein Engel! und die Dandhs, Inerohablés und Muscadins flüſterten: Himmliſch! Zauberiſch! und waren dabei am Verſchmelzen. Das Inſtitut war ſtets umſchwärmt von halbſatten Lieutenants, die auf Ehre ſchworen, ſie jagten ſich eine Kugel durchs Hirn, wenn ſie ſie nicht ſähen.

Julchen Rühle hatte von ihrer Mutter Ruhe, von ihrem Vater Beweglichkeit, von ihrer Mutter Kälte und vom Vater Feuer geerbt, ſo war ſie eine recht anſprechende Erſcheinung. Jedermann liebte ſie, beſonders Fritz Herbert.

Neben dem Inſtitute war die Hofupothele Hier war Fritz Herbert, dort Julchen Rühle. Alle Mädchen im Inſtitute waren der einſtimmigen Meinung, der Fritz ſei der ſchönſte Junge der Stadt, und der beſcheidenſte und der beſte Tänzer, und der lieb⸗ lichſte Sänger, und der gewandteſte Guitarreſpieler und noch eine Anzahl Und's. Das war im Grunde Alles wahr und richtig, allein der Fritz kümmerte ſich um das Alles wenig, denn er ſah nur einzig und allein nach Julchen. War das der Zug des Herzens, oder der